Kempen: Kommissarin in spe
VON GABI LAUE - zuletzt aktualisiert: 23.01.2008Kempen (RPO). Von klein auf stand für Laura Mülders fest: Ich gehe zur Polizei. Jetzt hat die 19-jährige Kempenerin die Aufnahmeprüfung geschafft. Die Polizei NRW verdoppelt die Ausbildungsplätze auf 1100, und Laura ist dabei.
Nein, es war nicht Kommissarin Lena Odenthal, auch nicht Bella Block, die den Berufswunsch weckten. Der große Bruder war immer Vorbild, sagt Laura Mülders. Die Kempener Gymnasiastin war beeindruckt vom „gut angesehenen Beruf“ des 15 Jahre Älteren: „Polizei ist wichtig und notwendig, und ich würde mich gern in der Rolle sehen, dass ich mithelfen kann.“ Während sich bei vielen der Traumberuf aus Kindertagen noch wandelt, verfestigte sich Laura Mülders’ Überzeugung, spätestens nach einem Praktikum bei der Polizei in Kempen: Genau das wollte sie machen. Nach bestandenem Auswahlverfahren kann sie ab September an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen im Fachbereich Polizei studieren.
Die schlanke Schülerin erfüllt alle Voraussetzungen: Die Mindestgröße bei Frauen beträgt 1,63 Meter, der Body-Mass-Index muss zwischen 18 und 27,5 liegen, den Führerschein hat Laura bestanden, und auch das Sportabzeichen war kein Problem. „Kandidaten müssen sich mit Name und E-Mail-Adresse anmelden und bekommen ein Kennwort zum Einloggen auf die Polizei-Seite“, erklärt Polizeihauptkommissar Johannes Peters, Einstellungsberater der Kreispolizeibehörde. Sie müssen Fragen zur Person und einen Vordruck „polizeiärztliche Vorauswahl“ ausfüllen.
Polizeidienst
Bewerbungen Seit September 2006 nur noch online im Internet: www.polizeiberuf-nrw.de; Bewerbungen (bis zum 32. Lebensjahr) sind noch möglich bis etwa Ende Februar. Im Jahr 2007 kamen rund 6000 Bewerber auf 500 Stellen. In diesem Jahr sucht die Polizei NRW verstärkt nach geeigneten Nachwuchskräften.
Auswahlverfahren 3 Tage in Münster, Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW
Bedingung Abitur, Fachhochschulreife (seit 2001), Führerschein, Deutsches Sportabzeichen (2006 statt Fitnesstest eingeführt)
Einstellung Polizeivollzugsbeamtin (-beamter) im gehobenen Dienst: erstes Jahr Wach- und Wechseldienst (Streife), dann drei Jahre Einsatzhundertschaft
In Münster findet das dreitägige Auswahlverfahren statt. Am ersten Tag haben die Kandidaten vier Stunden Zeit, am PC 300 Fragen zu beantworten – analytisches Denken, Gedächtnisleistung, Reaktionsschnelligkeit, Deutschkenntnisse und soziale Kompetenzen werden abgeklopft. Tag zwei ist der ärztlichen Untersuchung vorbehalten, danach werden in Rollenspielen nochmals soziale und persönliche Kompetenzen ausgelotet. Laura zog einen Zettel mit vorgegebener Situation: „Es wurde Einfühlungsvermögen hinterfragt.“ Schließlich, so steht’s auf der Polizei-Homepage, ist der spätere Dienst „Teamwork live“. Schon durch ihr Hobby, Ferienbetreuer beim Landessportbund, konnte Laura punkten, am Ende schaffte sie eine Leistungszahl von 107. „Ganz beachtlich“, findet Johann Peters. Die 19-Jährige, die sich auch quer durch Nord- und Ostdeutschland beworben hatte, freut sich auf die Arbeit. Peters dämpft Erwartungen: „Nach sieben Jahren kann jeder sich spezialisieren. Doch nicht jeder Neue landet gleich bei der Mordkommission, kommt zur Reiterstaffel oder wird Hubschrauberpilot.“ Das Kommissariat Jugendkriminalität würde ihr liegen, aber auch Streife Fahren findet Laura spannend. Im Praktikum erlebte sie einen Tag bei den Diensthunden, war bei einer Vernehmung dabei und fuhr mit zu Einsätzen: „Einmal sollten wir Pferde einfangen. Da kam ein Anruf, dass ein Vater seine Tochter schlägt.“ Mit ihrer Begeisterung für den Beruf hat sie schon Mitschüler angesteckt. Es gibt weitere Bewerber aus ihrer Stufe.
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