Kempen: Konsequenter Kotzbrocken
VON TOBIAS NEUMANN - zuletzt aktualisiert: 13.08.2007Kempen (RPO). ST.TÖNIS Der Tönisvorster Stadtkulturbund rief, und 350 Gäste kamen am Freitagabend: Sie waren hin und weg vom zweiten Abend dieser Art, der witterungsbedingt in den Mertenshof verlegt werden musste, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Midlife-Comedian Rüdiger Höfken machte den Anfang und schaffte es binnen weniger Minuten, den Saal vorzuglühen. Die „Spritzentour“ des Radsports verfrachtete er zusammen mit Olympia, G8 und Politikern auf den Sondermüll, verpasste Fußballkommentatoren einen Maulkorb und begeisterte unerwartet mit unnutzem Wissen. Kurzum: 30 Minuten ausgereifte Gestik und scharfe Zunge, bevor Jochen Butz für den verhinderten Volker Diefes einsprang. Der „niederrheinischen Erwartungshaltung“ setzte er allerlei Altbekanntes entgegen, erarbeitete Ehestrategien, wandelte zwischen „lieb und doof“ und das alles multifunktional. Alltägliche Szenarien („Lass ‘ma inne Stadt – ich brauch auch nix...“) bringt Butz genau beobachtet zu Gehör. Seine Geschichten sind wiedererkennbar, so wie es auch seine Art ist, das ist die Stärke des Krefelders.
Nach 20 Minuten zwerchfellschonender Pause kam Jens Neutag mit richtig bissigem Kabarett auf die Bühne. Ihm war nichts heilig, genüsslich zog er den Schmerzgrenzengürtel enger. Ob Angela Merkel nun mit zweien koaliert oder Soldaten sich im Irak „bis auf die Knochen“ blamieren – Neutag entpuppte sich als Mann der Tat, als konsequenter Kotzbrocken. Sommerkabarett ohne ihn wäre, um seine Worte zu benutzen, wie „Ikea ohne Sechskantschlüssel“. Nach diesem Verbalhammer war das große Finale mit den fünf A-capella-Comedians von „Herrencrème“ klug besetzt. Sie verlangten dem Publikum mit den Comedian Harmonists und Co. noch einmal alles ab: Situationskomik sowie Gestik und Mimik passte zu den Neusser Herren, die an Beinen nach Jahresringen suchen, fliegende Krawatten trugen und affenartig metamorphieren konnten. Wieder einmal bei Dieter Bohlen johlen, hier stimmte einfach alles.
Nach drei Stunden dann stand ganz eindeutig fest: Andere gehen zum Lachen in den Keller, die Tönisvorster gehen rein. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal am 29. Dezember.
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