Kempen: Lärmgrenze für Diskotheken geplant
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 04.07.2007Kempen (RPO). Wenn ein Düsenjet startet, ist es ohrenbetäubend laut: 150 Dezibel werden dabei gemessen. Ein Presslufthammer bringt es noch auf 130, ein Rockkonzert auf 120 Dezibel. Und in der Disko? Zwischen 92 und 111 Dezibel liegt der Mittelwert einer Studie zufolge – viel zu viel, sagen Mediziner. Das Ohr leidet. „Alle Werte über 85 Dezibel gelten als Gehör schädigend“, sagt Dr. Martin Kamp (37), Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Kempen.
Was passiert? Lärm ist ein Schalldruck, der auf das Trommelfell trifft und ins Innenohr weitergeleitet wird. Dort sitzen feine Haarzellen, die bei übermäßigem Druck irreversibel vernichtet werden. „Als erstes werden die Haarzellen zerstört, die für die hohen Töne zuständig sind“, erklärt Kamp. „Denn die sitzen ganz nah am Innenohr.“ Der Geschädigte spüre oft gar nicht, dass er hohe Töne längst nicht mehr wahrnehmen könne.
Ein schleichender Prozess, der vor allem für Jugendliche immer gefährlicher wird. Denn nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Dauer des Lärms spielt eine Rolle: Anfang der 80er Jahre besuchten junge Disko-Gänger die Lokale noch durchschnittlich zweieinhalb Stunden – heute sind sie einer Studie zufolge bis zu fünf Stunden dem Dauer-Lärm ausgesetzt. Die Folgen: Druck- und Taubheitsgefühle, Ohrgeräusche wie Tinnitus, dauerhafte Schäden.
Bisher gibt es eine Regelung, deren Einhaltung den Diskotheken-Betreibern aber freigestellt ist: Mit maximal 100 Dezibel sollten Discjockeys (DJs) danach die Gäste beschallen. In Nordrhein-Westfalen konnten DJs einen „Führerschein“ absolvieren – mit der Verpflichtung, den Lärmpegel zu kontrollieren.
Doch der Vorsatz allein scheint nicht zu reichen: In Baden-Württemberg haben sich dem „Focus“ zufolge erst neun Betriebe zur Einhaltung dieser Grenze bereit erklärt haben, wie viele es in NRW sind, ist unbekannt. Ob die bisher freiwillige Regelung jetzt verschärft werden soll, darüber berät die Gesundheitsministerkonferenz der Länder heute in Ulm. „Dass etwas geschehen muss, ist ganz klar“, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums gestern unserer Zeitung. Wie eine Änderung allerdings aussehen könnte, müsse jetzt erst geprüft werden. MEINUNG
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