Kempen: Luxemburgischer Premier erhält Thomas-Stele in Kempen
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 15:54Kempen (RPO). Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker ist am Mittwoch in der Kempener Paterskirche mit der Thomas a Kempis-Ehrenstele ausgezeichnet worden. 300 Gäste applaudierten stehend dem Europapolitiker.
Der mehrstündige Aufenthalt des luxemburgischen Regierungschefs für seine Auszeichnung mit der Thomas-Stele für seine europäischen Verdienste war alles andere als ein steifer Staatsbesuch. Die angenehm gelöste Atmosphäre war schon bei der Ankunft der nur von einem Streifenwagen begleiteten BMW-Hybrid-Limousine aus Brüssel an der Paterskirche zu spüren.
Jean-Claude Juncker, begleitet von Chauffeur und zwei Mitarbeiterinnen, kam eine halbe Stunde zu früh. Begrüßt vom Willicher CDU-Bundestagsabgeordneten und Preisstifter Uwe Schummer, Bürgermeister Volker Rübo und Museumsleiterin Dr. Elisabeth Friese genoss er draußen an der Burgwiese erstmal das sonnig-warme Wetter.
Eintrag ins Goldene Buch
„Ich komme wieder“, schrieb Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker ins Goldene Buch der Stadt Kempen.
Es war erst der sechste Eintrag, übrigens nach Bundestagspräsident Norbert Lammert, Thomas-Preisträger 2007. Bürgermeister Volker Rübo (l.). der Juncker als „wahrhaft großen europäischen Politiker“ würdigte, gab ihm eine Flasche Thomas-Bitter und Thomas-Trüffel als Stärkung mit auf den Weg.
Junkcer nahm dazu einen Schluck aus einem heißen Kaffeepott, rauchte eine Zigarette, unterhielt sich mit seinen Gastgebern, telefonierte etwas abseits mit dem Handy, derweil Radfahrer immer wieder ihren Weg durch den Pulk suchten, und fand schließlich: „Schön haben Sie’s hier.“
Sein guter Eindruck von der Thomasstadt verstärkte sich noch, als die Gastgeber den weltläufigen Premierminister auf der touristischen Muss-Route durch Kempen führten: Über Tief- und Kuhstraße spazierte Juncker mit Propst Dr. Thomas Eicker als Stadtführer zum Buttermarkt und in die Propsteikirche. Der Personenschutz für den Staatsgast konnte sich auf zwei Streifenpolizisten und möglicherweise zwei Zivilbeamte beschränken.
In der Kirche erklärte Eicker den modernen Altarkubus und das gotische Chorgestühl. In der Taufkapelle des Thomas von Kempen gönnten sich alle „eine kleine Auszeit zum Atemholen“, so Eicker. Altbürgermeister Karl-Heinz Hermans und Friese lasen aus der „Nachfolge Christi“, dem berühmten Buch des spätmittelalterlichen Mönchs und Kirchenlehrers Thomas von Kempen vor: „Von der Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit“.
In der Paterkirche begüßten dann 300 Gäste stehend und klatschend den 56-jährigen Juncker. Propst Eicker und sein evangelischer Amtsbruder Michael Gallach erinnerten an den 1379 geborenen Thomas, dessen Buch „Nachfolge Christi“ sich in Windeseile in alle Himmelsrichtungen erbreitet habe. Eicker: „Es ist bis heute eine Inspirationsquelle und gehört zu dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe, aus dem Europa schöpft“.
Gallach malte ein Bild von Europa in der Krise – doch was hochaktuell klang, lag bereist 600 Jahre zurück: Krise ist ein unzureichender Begriff für beständigen Wandel.“ ehe Uwe Schummer, Stifter der gläsernen Thomas a Kempis-Ehrenstele die Laudatio auf Juncker hielt. Der CDU-Bundespolitiker aus Willich nannte das kleine Großherzogtum Luxemburg „die Herzkammer der europäischen Einigung“. Dessen Premierminister, ein überzeugter christlich-sozialer Politiker, sei mit seinem „Charisma und natürlichen Autorität der personifizierte Brückenbauer bei schwierigsten Verhandlungen in Europa“. Schummer: „Juncker ist ein würdiger und toller Preisträger der Thomas-Stele 2010.“
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