Kempen: Mehr Betreuer sind nötig
VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010Kempen (RPO). Wegen der zunehmenden Zahl immer älterer, auch dementer Bürger steigt die Nachfrage nach ehrenamtlichen Betreuern. Sie übernehmen es, alle nötigen Belange dieser Menschen zu regeln. Es ist eine befriedigende Aufgabe.
st. hubert Verstärkt bietet der Verein für Betreuungen und Vormundschaft des Diakonischen Werkes Krefeld-Kreis Viersen seine Dienste auch im Kreisgebiet an. Nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Vereinen, die diese Aufgaben bereits jetzt wahrnehmen, betont Achim Lüdecke, der den Betreuungsverein hauptamtlich begleitet. Vielmehr vor allem aufgrund der demographischen Entwicklung steigt die Nachfrage nach ehrenamtlichen Betreuern für Menschen, die nicht mehr alle ihre Belange selbst regeln können.
Derzeit 86 Mitglieder
Die Besonderheit beim Betreuungsverein ist, dass hier erfahrene Ehrenamtliche neue Betreuer ausbilden und ihnen mit ihrem Wissen zur Seite stehen. Dieses Angebot gilt für Angehörige, die die Betreuung für Familienmitglieder übernehmen, genauso wie für die Betreuer, die sich um fremde Menschen kümmern. Alle zwei Monate treffen sie sich zum Erfahrungsaustausch. Im Moment hat der Verein 86 ehrenamtliche Betreuer.
Betreuer
Ausbildung Dazu findet am Dienstag, 26. Januar, im Haus der Familien in Krefeld am Lutherplatz 32 eine Veranstaltung zu Themen wie Recht, Medizin, Verwaltung, Pädagogik und zum Netzwerk der Betreuer untereinander statt.
Anmeldung und Rückfragen bei Achim Lüdecke, Telefon 02151/ 3632042.
Heinz-Jürgen Janssen (66) aus St. Tönis und Dietmar Diegmayer (69) aus St. Hubert sind zwei solche ehrenamtlichen Betreuer. Beiden war mit Eintritt in den Ruhestand klar, dass sie nicht die Hände in den Schoß legen wollten. Janssen, als IT-Anwendungsentwickler kreatives Arbeiten gewöhnt, wollte weiterhin eine Tätigkeit ausüben, die er nach Möglichkeit selbst gestalten kann. Diegmayer wiederum hat in seinem Berufsleben als Gerichtsvollzieher den Umgang mit Behörden und Verwaltungsstrukturen kennen gelernt und bringt nun diese Erfahrungen ein. Beharrlichkeit sei wichtig, wenn man für einen Betreuten etwas erreichen will, wissen beide. Sei es, um einen optimalen Rollstuhl bei der Krankenkasse durchzusetzen, sei es, nicht mehr notwendige Versicherungen zu kündigen oder sich um Schuldenregulierung zu kümmern. "Man braucht Zivilcourage", sagt Janssen und fügt hinzu: "wenn man was für andere tut, bekommt man auch mehr Rückgrat."
Etwa zwei bis vier Stunden nimmt die Betreuungsarbeit in Anspruch. "Am Anfang mehr", so die Erfahrung der beiden. Denn oft finden sie ungeordnete Unterlagen vor. Und ganz wichtig sei, erst einmal ein Vertrauensverhältnis mit dem Betreuten und mit dessen Angehörigen aufzubauen. "Die Chemie muss stimmen", sagt Diegmayer. Er habe auch schon einmal nein gesagt. Deshalb nimmt der Verein Rücksicht auf Wünsche der Betreuten, sei es nun in Bezug auf die Konfession des Betreuers oder ob es ein Mann oder eine Frau für diese Aufgabe sein soll. Und erst wenn man sich gegenseitig sympathisch ist, wird die Betreuung beim Amtsgericht eingetragen. Janssen und Diegmayer sehen vor allem die positive Rückmeldung von Betreuten wie von allen Gesprächspartnern als Motor für ihre Tätigkeit. Aber sie wissen auch, dass sie sich selbst zuliebe den nötigen Abstand wahren müssen. Frage des Tages
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