Kempen: Mehr Betreuung kostet viel
VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Kempen (RP). Kempens Jugendhilfeausschuss befasste sich mit neuen Aufgaben und Ausgaben im Kindertagesstättenbereich und im Kinderschutz. Bund und Land überlassen die Zusatzlasten den Kommunen, Geld von dort fließt nur zögerlich.
Kita-Plätze
Kindertagesstättenplätze 2012/13
1097 insgesamt in der ganzen Stadt Kempen
891 davon für Kinder zwischen drei und sechs Jahren und
28 in integrativen Gruppen.
206 Plätze stehen für die Betreuung der unter Dreijährigen zur Verfügung.
53 Gruppen gibt es in allen Kindertagesstätten
Der Anspruch auf Tagespflege in Kindergärten laut Kinderbildungsgesetz macht es erforderlich, den Stellenplan aufzustocken. 3,4 Stellen für Erzieher und 1,9 Stellen für Ergänzungskräfte sind notwendig. Personalkosten von 224 830 Euro werden dabei anfallen. Das bedeutet aber auch, dass in der Stadt Kempen ein Versorgungsniveau von rund 35 Prozent bei den Kindern unter drei Jahren erreicht wird, sagte Jugendamtsleiterin Heike Badberg im Jugendhilfeausschuss am Donnerstagabend. Das Jugendamt bemühe sich, der Nachfrage in den einzelnen Stadtteilen gerecht zu werden.
Puzzlearbeit des Jugendamts
Dazu gehört das Angebot integrativer Gruppen, die auch behinderte Kinder aufnehmen können. Insgesamt hat hier das Jugendamt quasi eine Puzzlearbeit zu leisten, denn für jedes Kindergartenjahr muss der Bedarf für jeden Stadtbezirk neu geplant und errechnet werden.
Zurückgreifen kann das Jugendamt dabei auch auf rund 50 Tagespflegestellen. Flexibel können hier kurzfristig bis zu fünf Kinder aufgenommen werden. Der enorme Anspruch belastet den städtischen Haushalt natürlich, so Bürgermeister Volker Rübo. Die Refinanzierung vom Land lasse auf sich warten. Wie lange die Stadt noch die Befreiung bei den Geschwisterbeiträgen beibehalten könne, soll in einem der nächsten Jugendhilfeausschüsse diskutiert werden.
Eine weitere personelle wie auch finanzielle Belastung kommt durch die umfangreichen Aufgaben aus dem Bundeskinderschutzgesetz auf das Jugendamt zu. Hubert Comanns erläuterte sie. Der Schwerpunkt liegt auf frühzeitiger Prävention und der Beratung sowohl von Eltern als auch Erziehern und Lehrern. Eingebunden sind hier ebenfalls Ärzte und Hebammen. Diese Aufgaben sind in den letzten Jahren in Kempen schon gut vernetzt, allerdings kommt auf das Jugendamt nun mit dem Gesetz ein gewaltiger Mehraufwand an Dokumentation der Fälle zu, sagte Rübo.
Vor der Ausschusssitzung hatten die Mitglieder die Räume der Katholischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern besichtigt. Anschließend stellte Leiterin Renate Philippen die Arbeit der Einrichtung im Kom'ma am Oedter Pfad vor. Beratung in Entwicklungs- und Erziehungsfragen, aber auch bei Beziehungsproblemen in der Familie werden hier angeboten. Auch hilft die Beratungsstelle bei Verhaltensauffälligkeiten oder seelischen Störungen von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig gibt es eine Trennungs- und Scheidungsberatung und vieles weiteres mehr. Ziel sei immer, vernetzt zum Beispiel mit dem Jugendamt, Kinderärzten, Hebammen und Therapeuten zu arbeiten.
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