Kempen: Mit dem Rad nach Santiago
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 21.02.2007Kempen (RPO). Acht Wochen, 1700 Kilometer, 13 Kilogramm Gepäck – am 28. Februar bricht Günter Bregulla (66) aus Kempen zu einer ganz besonderen Reise auf. Er pilgert mit dem Fahrrad ins spanische Santiago de Compostela.
Kein Reisetagebuch
Mehr Zeit für Ausflüge in einzelne Städte und das Alleinsein werden Günter Bregullas Reise von der im Jahr 2004 unterscheiden. Und die Tatsache, dass ihn seine Frau in acht Wochen in Madrid erwartet, um dort noch ein paar schöne Tage zu erleben.
Seine Erfahrungen wird Günter Bregulla für sich behalten, sie nicht niederschreiben wie jüngst Hape Kerkeling. „Er ist nicht die Art von Weg nach Santiago gegangen, den ich gehen möchte.“
Wenn es regnet, macht Günter Bregulla das Wandern erst richtig Spaß. „Dann ist niemand außer mir draußen, und ich habe eine richtig gute Zeit“, sagt der 66-Jährige. „Allein sein, Ruhe finden, mich auf die Suche nach mir selbst begeben, all das ist ungemein wichtig für mich.“ Nicht nur, dass Bregulla regelmäßig 25 Kilometer wandert, Freunde in Duisburg mit dem Fahrrad besucht und bereits mehrere Gebirge wie den Himalaya erkundet hat. In der kommenden Woche bricht der Rentner darüber hinaus zu einer ganz besonderen Reise auf: Er wird den Pilgerweg nach Santiago de Compostela mit dem Rad zurücklegen.
Acht Wochen, 1700 Kilometer, 13 Kilogramm Gepäck. Von Sevilla geht es nach Santiago de Compostela, von dort über Burgos nach Madrid zurück. Körperlich machen Bregulla die Etappen von 30 bis 100 Kilometern am Tag nichts aus. „Ich war früher Triathlet“, erklärt er. „Und außerdem: Der Wille ist das einzige, was zählt.“ Nicht zum ersten Mal nimmt der ehemalige Handwerker und Techniker den weiten Weg auf sich. 2004 legte er 850 Kilometer zu Fuß zurück, „allerdings war ich damals mit zwei anderen unterwegs, und die Harmonie hat nicht gestimmt.“ Nicht das erlebt zu haben, was er erhofft hatte, nicht das gefunden zu haben, wonach er suchte, dies bewegte Günter Bregulla, nun erneut die Taschen zu packen und sich mit etwas Kleidung zum Wechseln, Waschmittel und Ersatzteilen für das Fahrrad nach Spanien zu begeben.
„Ich möchte keinen Luxus, keine Hotels und keine erlesenen Speisen. Zur Not schlafe ich auch unter freiem Himmel“, erklärt der 66-Jährige. Er möchte zum Nachdenken kommen, sich von schönen Gegenden, interessanten Begegnungen, gutem und schlechtem Wetter inspirieren lassen. „Santiago ist zwar das Ziel, ist es gleichzeitig aber auch wieder nicht. Es soll ein meditativer Weg werden“, sagt er. Ob es auch ein religiöser Weg werden soll? Bregulla überlegt einen Moment. „Ich glaube an Gott, aber ich bin kein regelmäßiger Kirchgänger. Ich akzeptiere Gott als meinen Schöpfer. Ja, es soll ein Weg mit Gott sein. Ich bin mir sicher, dass er bei mir sein wird.“ Der Weg nach Santiago sei von seinem Ursprung her ein Weg der Buße. „Ich habe zwar nicht das Gefühl, büßen zu müssen, aber natürlich lädt jeder Menschen irgendwie Sünde auf sich. Allein schon durch Umweltverschmutzung und diese Dinge.“
Viele Freunde und Bekannte seien begeistert, wenn er erzählt, was er vorhat. „Aber sie selbst könnten sich eine solche Strecke nie vorstellen.“ Das findet Günter Bregulla schade. „Dieser Weg würde so vielen Menschen helfen. Zu spüren, was der Körper schaffen kann, einem Vogel zu lauschen und zu fühlen, dass man lebt – das ist ein unbeschreibliches Gefühl.“
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