Stadt Kempen: Nicht wegschauen
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 11.12.2008Stadt Kempen (RPO). Zum Tag der Menschenrechte erinnerten die Schüler des Berufskollegs am Mittwoch an die Verantwortung jedes einzelnen. Dabei setzten sie auf kreative Ideen.
Es war ein Gottesdienst der etwas anderen Art. Anlässlich des 60. Jahrestags der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bestimmten Schüler des Berufskollegs den Ablauf in der evangelischen Thomaskirche in Kempen. Schon seit Wochen hatten sie sich unter Anleitung von Pfarrer Roland Kühne mit dem Thema beschäftigt. Nun appellierten sie auf ihre Weise an die Zuhörer, sich diese Rechte täglich bewusst zu machen. In Rollenspielen zeigten die angehenden Erzieher, dass der Anspruch auf körperliche Unversehrtheit oder eine Wohnung nicht nur in fernen Ländern oft wenig zählt, sondern auch bei uns vor der Haustür.
Menschenrechte
Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, auch UN-Menschenrechtscharta. Das Abstimmungergebnis lautete 48:0 bei acht Enthaltungen durch die Staaten des Ostblocks, der Sowjetunion, Saudi-Arabiens und Südafrikas.
Ohne erhobenen Zeigefinger
So stellten sie den Dialog zwischen einem Obdachlosen und einer hektischen Dame mit Handy nach, die sich über den angeblichen Geruch des Mannes mokierte („Wann haben Sie zum letzten Mal geduscht?“) und ihn dann von seiner Parkbank vertreiben wollte. In einer anderen Szene schlägt ein Mann seine schwangere Frau, weil die nicht dazu gekommen war, ihm seine tägliche Ration Bier zu kaufen. „Die Ideen stammen von den Schülern, ich habe sie nur begleitet“, sagt Roland Kühne.
Das gilt auch für die Auswahl der Lieder, die die jungen Leute sangen, von Xavier Naidoos „Was wir alleine nicht schaffen“ bis hin zu Michael Jacksons Klassiker „Heal the world“. Ihre Botschaft, die Menschenrechte zu leben und zu verteidigen, kam ohne erhobenen Zeigefinger daher. „Uns war einfach wichtig, gerade zur Adventsszeit noch einmal daran zu erinnern“, sagt Schüler Tobias Queder, 18. Schließlich gebe es in der Weihnachtsgeschichte genügend Beispiele für eine Verletzung der Menschenrechte. „Maria und Josef wurden an der Tür abgewiesen. Dabei garantiert Artikel 14 der Menschenrechtscharta das Recht auf Asyl.“
Nach dem Gottesdienst, der mit einem tosenden Applaus endete, zogen Schüler, Lehrer und weitere Besucher zur alten Polizeiwache. Schon seit Montag hängen dort Stoffbänder an der Fassade, die unter anderem den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King zeigen. Die Jugendlichen hatten das Transparent zusammen mit dem Kempener Künstler Roland Ploch entworfen, gestern übergaben sie es offiziell an Bürgermeister Karl Hensel. „Wenn andere Menschen bei uns die fundamentalen Rechte so ernst nehmen wie ihr, dann bin ich zuversichtlich“, sagte er.
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