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Stadt Kempen: Oase für Demenzkranke

VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 08.07.2010

Stadt Kempen (RPO). Bewohner, Angehörige, Pflegende können den Demenz- und Sinnesgarten am Kempener Von-Broichhausen-Stift mit allen Sinnen erleben. Das 1500 Quadratmeter große Gelände soll mit seiner Gestaltung Erinnerungen anregen.

Info

Pflege im Stift

Größe Das von-Broichhausen-Stift in Kempen verfügt über 145 Plätze.

Demenzkranke Während in früheren Jahren rund fünf bis zehn Prozent der Pflegebedürftigen an Demenz erkrankt waren, steigt diese Zahl inzwischen auf durchschnittlich 40 Prozent.

Prognose Aufgrund der demographischen Entwicklung – die Menschen werden immer älter – ist ein weiterer Anstieg der Demenzerkrankungen zu erwarten.

150 000 Euro hat die Errichtung des Gartens gekostet, beteiligt war zur Hälfte die Wohlfahrtsstiftung des Landes NRW. Den Rest teilten sich der Rotarier-Club und die Stiftung des Hospitals zum Heiligen Geist, die Träger des Altenheims ist. Verwaltungsdirektor Friedhelm Sicking freute sich gestern, nach über zwei Jahren aufwändiger Planung nun die eingefriedete Anlage den Bewohnern übergeben zu können. Besonderer Dank galt dem Rotary Club Kempen-Krefeld mit Karl Hensel, der die Finanzierung des Projekts koordiniert und Geld gespendet hatte.

Auf rund 1500 Quadratmetern hat Patricia Schürmann vom Grünflächenamt in gemeinsamer Arbeit mit Heimleiterin Christa Mauermann, die seit wenigen Tagen in Ruhestand ist, ein kleines Paradies geschaffen. Dabei hat sie nicht nur für Kempen, sondern auch für sich selbst Neuland betreten, sagte Schürmann gestern, der für ihre guten Ideen viel Lob galt. Was macht einen Demenzgarten aus, fragte sich zu Beginn die Landschaftsarchitektin, der gestörtes oder verlorenes Gedächtnis alter Menschen beleben soll. Natürlich soll er barrierefrei sein und auch bettlägerigen Bewohnern des Hauses Platz bieten, ihn zu genießen. So beginnt die Anlage am Haus Thomas zunächst mit einer 170 Quadratmeter großen Terrasse. Von dort führen gepflasterte Wege in einer geschlungenen, ein Verlaufen unmöglich machenden Acht durch die Beete. Vor allem heimische Gewächse sind gepflanzt. Die Menschen sollen Bekanntes wiederentdecken und anfassen können, erläutert Schürmann. Was Bürgermeister Volker Rübo und sein Amtsvorgänger Hensel gleich selbst ausprobierten: Johannisbeeren, Heidelbeeren, Blumen, Sträucher und Bäume laden ausdrücklich zum Pflücken, Riechen, Betasten ein.

Einbezogen wurden in die Planung bewusst der Baumbestand und die kleine Kapelle an der Mülhauser Straße. Ungewöhnliches Detail am Rande ist eine komplette Bushaltestelle mit Wartehäuschen: Sie dient dementen Menschen, die, wie früher aus ihrem aktiven Alltag gewohnt, zu ihrer Arbeitsstelle oder zum Einkaufen fahren wollen. Hier hält zwar kein Bus, aber es hängt der passende Fahrplan der über die Mülhauser Straße fahrenden Buslinie aus. Außerdem ist dies einer der vielen Sitzplätze im Garten. Besonderes Detail der Bänke: Sie sind höher als üblich und erleichtern Hinsetzen und Aufstehen.

Mobile Pflanztische können je nach Wunsch über das Gelände geschoben und je nach Jahreszeit verändert werden. Die Mithilfe der Bewohner ist erwünscht. "Wenn der Verstand verloren geht, bleiben die Impulse, die Gefühle", sagte Erich Schützendorf, bei der Kreisvolkshochschule zuständig für Fragen des Älterwerdens und anerkannter Autor mehrere Bücher zum Thema Demenz. Sinn mache der Garten in doppelter Hinsicht, denn er spreche nicht nur das Urbedürfnis nach grüner Umgebung an, sondern auch nach Sinngebung. Gartenarbeit bedeute für viele Menschen Lebenserinnerung, so Schützendorf. Zudem biete der Garten Raum für soziale Kontakte, wo sprachliche Verständigung oft nicht mehr möglich sei. Frage des Tages

Quelle: RP

 
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