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Kempen: Pappel ließ Zug entgleisen

VON GÜNTER VERSTAPPEN, MARC CATTELAENS UND TOBIAS NEUMANN - zuletzt aktualisiert: 09.12.2006

Kempen (RPO). Das ging knapp an einer Katastrophe vorbei: Der Regionalexpress Düsseldorf-Kleve ist gestern gegen 17 Uhr kurz vor Kempen verunglückt. Er prallte gegen eine vom Sturm umgerissene Pappel. Verletzt: Zugführer und Zugbegleiter.

Den Unglücksort hinter Gut Heimendahl am Krefelder Weg konnten die Helfer mit ihren Einsatzwagen nur über vermatschte Felder erreichen. Foto: RPO

Lukas Hendriksen aus Kleve, 22 Jahre alt und Student in Düsseldorf, hatte gar nicht registriert, dass der vordere Triebwagen, in dem er saß, entgleist war. „Es wirkte eher wie eine Vollbremsung mit einem folgenden Gerumpel und Gehoppel.“ Fahrgäste seien umgefallen. Doch dann habe er erleichtert festgestellt, dass keinem der Umstehenden etwas passiert sei. Einige Zeit später stand Hendriksen mit etwa hundert Reisenden am Krefelder Weg in Kempen und wartete.

Das Blaulicht der Einsatzwagen flackerte über dem Unglücksort, einem Wäldchen hinter Gut Heimendahl am Krefelder Weg. Auf dem Gleis lag noch ein Stück des Baums, der das Unglück verursacht hatte. Eine Pappel mit einem Stammdurchmesser von 50 Zentimetern, vom Sturm gefällt. Der Zug schleifte sie 400 Meter weit mit. Eine Achse brach, löste sich vom Fahrgestell, der vordere Triebwagen sprang aus den Schienen.

Info

40 Sturmeinsätze

Zwischen 16 und 20.30 Uhr fegte der Sturm gestern Nachmittag durch den Kreis Viersen. Feuerwehren und Polizei hatten in dieser Zeit etwa 40 Einsätze – den ersten gab es in Schaag. Meist waren es entwurzelte Bäume oder abgeknickte Äste. An manchen Stellen flogen Dachziegel auf die Straße oder Ampelverkleidungen wurden auf die Fahrbahn gerissen. In Nettetal stürzte ein Baum auf ein Haus. Doch auch hier gab es wie in allen anderen Fällen keine Verletzten.

Der Krefelder Weg wurde von Lampen, die hoch auf der Feuerwehr-Drehleiter angebracht waren, ausgeleuchtet. Die Wehr habe sich auf einen Großeinsatz eingerichtet, weil ja nicht bekannt gewesen sei, ob und wieviele Verletzte es gegeben habe, erklärte Kreisbrandmeister Klaus Riedel. „Aber die beiden leichtverletzten Frauen, denen wir begegneten, wollten nicht einmal eine ambulante Behandlung.“ Leichte Verletzungen erlitten allerdings Zugführer und Zugbegleiter.

Die Hälfte der Passagiere wurde mit dem ersten Bus, den die Deutsche Bahn einsetzte, zum Kempener Bahnhof gefahren. „Der nächste kommt in einer Minute“, rief jemand herüber. Und es dauerte tatsächlich nur kurze Zeit, bevor der zweite Bus eintraf. Die Deutsche Bahn hoffte am späten Abend, die Strecke im Laufe der Nacht wieder frei zu bekommen.

Am Kempener Bahnhof verkündete derweil der Lautsprecher, dass wegen des entgleisten Niersexpress kein Zugverkehr zwischen Kempen und Krefeld möglich sei. Auf den Bahnsteigen herrschte mitten im Berufsverkehr chaotisches Treiben. Hier warteten die Fahrgäste, die zunächst nichts von dem Unfall wussten, und die Neuankömmlinge vom Unglücksort, die Richtung Kleve weiter wollten. Eine Lautsprecher-Durchsage brachte schließlich Klarheit: Vom Bahnhofsvorplatz fuhren alle 30 Minuten Pendelbusse nach Krefeld. Hier kamen auch im (meist) gleichen Takt die Wagen aus der Seidenstadt an. Für die Fahrgäste in Richtung Kleve, für die der Ersatzzug bereit stand, bedeutete das weitere Wartezeiten. Ein Schaffner auf dem Bahnsteig hatte Verständnis für den Unmut vieler Bahnkunden: „Wegen des Feierabendverkehrs sind die Verzögerungen besonders ärgerlich.“

Allein die Kempener Feuerwehr war mit neun Fahrzeugen und 55 Helfern an der Unglücksstelle, dazu kamen Rettungswagen, viele Einsatzfahrzeuge der Kreispolizei Viersen und der Bundespolizei.

Quelle: RP

 
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