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Kempen: Pogromnacht: Erinnerung ist unverzichtbar

VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 10.11.2009 - 16:20

Kempen (RPO). Auf dem Platz der Synagoge gedachten die Kempener der Pogromnacht 1938. Der Redner forderte eine aktive Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Auch heute gebe es Entwürdigungen.

Info

Pogromnacht

Über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben

„Ich bin froh, dass wir trotz der freudigen Feiern in Berlin einen guten, nachdenklichen Abend hatten”, meinte Margret Cordt, Vorsitzende des Kempener Museums- und Geschichtsvereins am Ende des Gedenkens der Reichspogromnacht am Platz der Synagoge an der Umstraße.

Wie in jedem Jahr waren rund hundert Bürger zum stillen Gedenken zusammen gekommen. Darunter viele Vertreter von Verwaltung, Parteien, Schulen und Institutionen. Auch Bürgermeister Volker Rübo und sein Vorgänger Karl Hensel waren dabei. Sowohl Margret Cordt als auch der Sozialwissenschaftler Dr. Stephan Marks betonten in ihren einleitenden Worten, dass der Holocaust bis heute kein leichtes Thema ist.

Marks knüpfte seine Rede an das „tabuisierende Erinnern” und schilderte ein Interview mit einer alten Dame. Diese war am 9. November 1938 BDM-Mädel, angesteckt von der kollektiven Begeisterung für den Nationalsozialismus und empfand es nur als „Abenteuer” in die Wohnung eines ungeliebten jüdischen Lehrers einzudringen.

Die Plünderungen der Wohnung später dagegen lehnt sie ab, hat sich vielfältig über das Dritte Reich informiert. Reue über ihr Verhalten damals hat sie aber nicht. „Ich bekomme vielleicht eine Ahnung davon, wenn ich mir vorstelle, wie Fremde in meine Wohnung eindringen,” so Marks zum Leid der jüdischen Mitbürger.

Die „Würde, die Privatsphäre verletzt ­ diese Dimension ist mir wichtig.” Der Verlust des Vertrauens in Nachbarn. „Können wir hoffen, dass uns jüdische Nachbarn wieder vertrauen?”, fragte er. „Jemanden öffentlich beschämen ist wie Blut vergießen”, zitierte Marks den Talmud. Er beklagte die fehlende Reue der Deutschen und forderte aktive Auseinandersetzung mit dem Holocaust. „Erinnerung ist unverzichtbar”, mahnte er, „der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen, die Frage nach den Beweggründen noch nicht geklärt.”

Mobbing in der Schule Bis heute, so der Sozialwissenschaftler gehören Entwürdigungen von Mitmenschen zum Alltag in Deutschland, sei es in der Behandlung von Hartz IV-Empfängern, Mobbing in der Schule oder bei der Arbeit und in vielen anderen Bereichen. „Es fehlt uns eine Kultur der Menschenwürde! Das ist die Aufgabe, die vor uns liegt!” so seine abschließenden Worte.

Quelle: RP

 
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