Kempen: Qualität verzweifelt gesucht
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 26.04.2008Kempen (RPO). Heinz Schilling benötigt Ingenieure für sein Kempener Unternehmen SEW. Allein, er findet keine passenden. Es mangele vor allem an Praxiserfahrung, sagt er. Ein Beispiel, warum Deutschland 90 000 Fachkräfte fehlen.
Wenn Heinz Schilling für Nachwuchs in seiner Firma sorgen will, sucht er nach Älteren. So um die 50. „Diese Leute wären ideal, sie bringen Erfahrung mit, die vielen jungen Ingenieuren auf dem Markt fehlt“, so der Geschäftsführer der SEW-GmbH, Fachgebiet Energie- und Klimatechnik. „Ich habe einen Ingenieur, der ist über 60. Ihm habe ich gesagt, er kann solange im Unternehmen bleiben, wie er will.“
Es geht auch im Ingenieurbereich nicht darum, 25-Jährige mit 30-jähriger Berufserfahrung einzustellen. Doch Schilling bemängelt die praktischen Kenntnisse vieler Fachkräfte mit Hochschulabschluss. „Von zehn Bewerbern kann vielleicht einer auf eine praktische Ausbildung verweisen, der Rest kommt fast nur mit theoretischem Wissen.“
Info-Termin
Am Mittwoch, 30. April, veranstalten die HS Niederrhein, die Uni Duisburg-Essen sowie Unternehmen einen „Ingenieurtag Niederrhein“.
Ab 9.30 Uhr lädt die Hochschule auf dem Campus in Krefeld, Reinarzstraße 49, interessierte Schüler ein. Diese können in Workshops ihre Begeisterung für Technik testen.
SEW steht nicht alleine, die Woodward GmbH aus Kempen sucht einen Service-Ingenieur, in Grefrath hat GDX-Automotive eine Stelle für einen Maschinenbau-Ingenieur offen. Deutschlandweit fehlen nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft derzeit rund 95 000 Ingenieure.
Drei Angebote für einen Bewerber
Auch bei der Arbeitsagentur Krefeld – zuständig für Krefeld und den Kreis Viersen – schlägt sich die Nachfrage nach Fachkräften nieder. Im Berufsfeld „Ingenieur“ finden sich im März 2008 NRW-weit 810 neu gemeldete Stellen, 15,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Bei den offenen Ingenieurstellen gibt es momentan einen Bestand von 2655, ein Plus von 12,7 Prozent gegenüber März 2007. Vor allem Maschinenbau-, Fahrzeugbau- und Elektroingenieure sind gefragt. Anja Knoblich von der Arbeitsagentur sagt: „Diesen Zuwachs an offenen Stellen muss man sich vor dem Hintergrund verdeutlichen, dass Ingenieure meist gar nicht über uns vermittelt werden, sondern die Firmen gezielt in die Hochschulen gehen und sich die talentiertesten Leute sichern.“
Diese Tendenz kann Rudolf Haupt, Pressesprecher der Hochschule Niederrhein nur bestätigen. „Die meisten unserer Absolventen haben schon vor dem Abschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche.“ Der frühzeitige Kontakt zu Unternehmen komme über Praktika, Firmenbörsen, eine duale Ausbildung oder die Diplomarbeit selbst zustande. „Auf einen Ingenieur kommen heute drei Angebote“, sagt Haupt. Die großen Unternehmen schöpfen die besten ab. An der Hochschule Niederrhein werden die verschiedensten Ingenieurstudiengänge angeboten, vom Chemieingenieur, über den Wirtschaftsingenieur bis zum Designingenieur.
Heinz Schillings Sohn hat auch studiert. „Danach musste ich ihn erst einmal wieder in die Praxis zurückführen“, sagt der Vater. Jetzt ist er fit für den Job. Frage des Tages
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