Kempen: Schaf-Virus erreicht den Kreis
VON ELISABETH LEGGE UND JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 02.02.2012Kempen (RP). Seit Dezember hat Dirk Wolter aus Kempen 60 totgeborene Lämmer zu beklagen. Eine Kontrolle beim Staatlichen Veterinär- und Untersuchungsamt in Krefeld brachte Gewissheit: Die Tiere sind am Schmallenberg-Virus erkrankt.
Kreis Viersen/Kempen Nur ungern erinnert sich Dirk Wolter an den zweiten Weihnachtstag. Ein schrecklicher Anblick bot sich dem Schafhalter aus Kempen an diesem Tag. "Morgens habe ich das erste tote missgebildete Lamm entdeckt und abends dann das nächste", erzählt der 39-Jährige, der insgesamt 300 Mutterschafe der Rasse Coburger Fuchsschafe hält. Zuvor habe er nie missgebildete Lämmer in seinem Betrieb gehabt. Außerdem häufte sich seit Beginn der Lammzeit Mitte Dezember die Zahl der totgeborenen Lämmer. "Normalerweise habe ich sieben tote Lämmer in der Ablammzeit. Jetzt sind es schon 60 und dabei über die Hälfte mit Missbildungen der Gliedmaßen und der Wirbelsäule."
Tendenz steigend
In NRW Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz gibt es derzeit in NRW 59 bestätigte Fälle sowie 99 Verdachtsfälle, Tendenz steigend.
Herkunft Noch offen ist die Frage, wie das Virus nach Europa und schließlich nach NRW kam.
Immun Unsicher ist zudem, ob ein einmal infiziertes Tier anschließend immun gegen das Schmallenberg-Virus ist.
Drei Mutterschafe eingeschläfert
Zunächst dachte Dirk Wolter an eine Infektion, aber die Untersuchung eines der missgebildeten Lämmer beim Staatlichen Veterinär- und Untersuchungsamt in Krefeld brachte eine andere Krankheit zutage: Im Gehirn des Lammes wurde das Schmallenberg-Virus nachgewiesen. Im Kreis Viersen ist der Kempener Schafhalter derzeit noch der Ausnahmefall. "Bislang ist nur ein betroffener Schafbestand im Kreisgebiet offiziell bekannt", erklärt gestern Amtstierarzt Dr.Helmut Theißen vom Kreis Viersen auf RP-Anfrage. In NRW tritt der neue Virus dagegen bereits verstärkt in Schafbetrieben auf (siehe Info).
"Das Schlimme ist, man ist einfach machtlos. Kein Tierarzt weiß Rat. Im Moment können wir nichts dagegen tun", sagt Dirk Wolter, der seit Mitte Dezember nicht nur tote Lämmer zu beklagen hat. Drei Mutterschafe musste er einschläfern lassen, da die verkrüppelten Lämmer im Geburtskanal stecken blieben. Viele der neugeborenen Schafe haben versteifte Gelenke und wollen einfach nicht richtig wachsen. "Natürlich tun wir alles, damit wir diese Tiere auch durchbekommen. Aber eigentlich bringt es nichts." Betroffen vom Schmallenberg-Virus sind auch die Zwillings- und Drillingsgeburten.
Für den Menschen ungefährlich
Fatal ist, dass man am Mutterschaf die Krankheit nicht erkennt. "Unsere Mutterschafe haben überhaupt keine Anzeichen für eine Erkrankung gezeigt", berichtet Dirk Wolter. Die Verlustrate bei seinen Lämmern beziffert er auf fast 30 Prozent. Mit einem Einbruch des Lammfleichverbrauchs sei jedoch nicht zu rechnen. "Das Virus ist für den Menschen ungefährlich", erklärt der 39-Jährige.
Die Ablammzeit dauert noch bis bis März oder April, so dass sich der Schmallenberg-Virus in NRW und im Kreis noch ausbreiten könnte. Die Schafhalter setzten nun darauf, dass es bald einen Impfstoff gibt.
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