Kreis Viersen: Sorge vor dem Turbo-Abitur
VON MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Kreis Viersen (RPO). Derzeit laufen an vielen weiterführenden Schulen im Kreis Viersen die Anmeldungen für die angehenden Fünftklässler. Viele potenzielle Gymnasiasten bevorzugen die Gesamtschulen – denn die haben noch die Stufe 13.
Eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben ist die Wahl der am besten geeigneten Schule. In diesen Tagen strömen wieder zahlreiche Eltern in Gymnasien, Real-, Haupt und Gesamtschulen, um ihren Nachwuchs für die fünfte Klasse anzumelden.
An der Gemeinschaftshauptschule Grefrath zeigt sich Rektor Manfred Schreinemacher zufrieden: „Bislang sind 37 Schüler gemeldet. Dadurch sind wir in der Lage, wieder zwei gute Eingangsklassen zu bilden.“ Und es könnte noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange sein. Denn wie schon in den Jahren zuvor haben wieder viel mehr Eltern ihre Sprösslinge an Gesamtschulen angemeldet, als diese fassen können.
Gesamtschulen stark gefragt
1175 Kinder angemeldet
Die Gesamtschulen des Kreises Viersen liegen in Willich, Brüggen, Nettetal und Viersen. Insgesamt haben sich hier 1175 Kinder für das Schuljahr 2008/2009 angemeldet.
505 Kinder mussten aufgrund mangelnder Kapazitäten abgelehnt werden. Das sind 42,97 Prozent eines Jahrganges im Kreis Viersen.
Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, tragen die Schulpflegschaften ihr Anliegen regelmäßig bei der Landesregierung in Düsseldorf vor.
Willichs Schuldezernent Christoph Gerwers kann davon ein Lied singen: „Gesamtschulen hatten schon in der Vergangenheit immer sehr hohe Anmeldezahlen. Dieser Überschuss ist 2008 aber besonders deutlich ausgefallen.“ So gingen für die Willicher Robert-Schuman-Gesamtschule 281 Anfragen ein. Aber nur 150 Plätze stehen zur Verfügung. An der Robert-Jungk-Gesamtschule in Hüls, die traditionell auch Kempener Schüler mangels dieser Schulform im Heimatort besuchen wollen, kommen 142 Bewerber auf 116 freie Plätze.
„Der Run auf Gesamtschulen liegt einerseits daran, dass derzeit besonders viele Kinder von der vierten in die fünfte Klasse wechseln“, erklärt Gerwers. Andererseits kommt nach Ansicht des Willicher Schuldezernenten diesmal ein weitere Besonderheit hinzu: Das achtjährige Turbo-Abitur schreckt einige Eltern ab, ihr Kind ans Gymnasium zu schicken. „Der Lernstoff ist der gleiche, aber ein Schuljahr fällt weg. Ich kann schon verstehen, dass sich viele Eltern deshalb bewusst für die Gesamtschule entscheiden.“ Denn dort drücken die Kinder nach wie vor neun Jahre lang die Schulbank.
Weniger Gymnasiasten
Für alle anderen Schulformen werden die Anmeldezahlen in der Stadt Willich zwar erst am 22. Februar verkündet, doch nach RP-Informationen bleibt die Zahl der Schüler an der Willi-Graf-Realschule mit 113 Anmeldungen und vier Klassen konstant (114 im Vorjahr). Stabile Zahlen vermeldet der stellvertretende Schulleiter Werner Link für das Schiefbahner St. Bernhard-Gymnasium: „Wir haben insgesamt 175 Anmeldungen. Da das Minimum für eine Klassenbildung 28 Schüler sind, können wir wieder sechs Klassen einrichten. Unser Angebot scheint gut angekommen zu sein.“ Die Zahlen entsprechen den Anmeldungen des Vorjahres.
Während in der Stadt Kempen die Anmeldeverfahren für Real- und Hauptschule noch bis 18. Februar laufen, steht die Zahl der neuen Fünftklässler an den Gymnasien schon fest: 96 gehen zum Thomaeum, 91 zum Luise-von-Duisberg-Gymnasium. Damit würde eine Klasse in Kempen wegfallen.
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