Stadt Kempen: Stadt hält an Radstreifen fest
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Stadt Kempen (RPO). Im Streit um den Radweg Birkenallee hat die Stadt bedauert, dass die Birkenfällung am Samstag ohne Information der Bürger begonnen wurde. Sie bietet ein Gespräch mit den Anliegern an, will aber ihre Planung nicht ändern.
Panne um Abholzung
Bedauern "Sehr bedauerlich und ärgerlich" fand Technischer Beigeordneter Stephan Kahl, dass eine beauftragte Fachfirma am Samstag in einer "Hauruck-Aktion" mit der Abholzung der Birken begann. Sechs Birken fielen vor dem Stopp.
Zeitablauf Der Auftrag ging an die Firma am Dienstag, verbunden mit der "Standardauflage, sich vor Beginn der Arbeiten mit dem Tiefbauamt abzustimmen", damit es die betroffenen Anlieger vorab informieren kann.
Panne Die Firma habe die Stadt nicht informiert, so Kahl, während jene sagt, dass sie Freitag im Tiefbauamt niemanden erreicht habe.
Fairness Mit den Anwohnern sei bereits ein Gespräch vereinbart gewesen, so Kahl. Es sei also ein Gebot der Fairness, nicht schon vorher Fakten zu schaffen.
Technischer Beigeordneter Stephan Kahl reagierte gestern Nachmittag auf die Proteste von Anwohnern der Kempener Birkenallee. Sie waren empört, dass am Samstag eine von der Stadt beauftragte Fachfirma ohne Vorwarnung begann, die 25 Birken an der östlichen Straßenseite zu fällen. Das alarmierte Tiefbauamt stoppte vorerst die Fällungen. "Es gibt noch Gesprächsbedarf bei den Anliegern", sagte Kahl. Er wolle vermeiden, dass Fronten entstehen. Allerdings werde die Stadt ihre Pläne für die Anlage eines eigenen Gehwegs und eines Radfahrstreifens auf der östlichen Fahrbahnseite nicht ändern: "Wir haben klare Vorgaben, zu denen wir stehen." Ein klärendes Gespräch soll nächste Woche stattfinden. Einige Fragen an Kahl:
Warum wird auf der Birkenallee zur Sicherheit des Schülerverkehrs nicht Tempo 30 ausgewiesen?
Es handelt sich um eine Nord-Süd-Verbindung für Ziel- und Quellverkehr in der Kempener Westhälfte. An der Strecke liegen Schulen, Sportzentren, Schwimmbad. Der Generalverkehrsplan hält Tempo 30 auf dieser Route wegen ihrer Verkehrsbedeutung für nicht geeignet, so Kahl. Und eine Westtangente zur Entlastung ist derzeit und längerfristig nicht zu erwarten.
Wie hat die Stadt die Anwohner der Birkenallee bisher einbezogen?
Es gab zwei Informationstermine für die Anlieger 1997 und 2000, bei denen es um die Veloroute ging. Laut Kahl ist damals über alle Themen ausführlich diskutiert worden, ehe dann der Planungsausschuss am 21. März 2000 dem Gesamtkonzept einschließlich der Umgestaltung der Birkenallee einhellig zugestimmt habe – "mit Fällung der Birken und Vorbehaltsstreifen für Radfahrer auf beiden Straßenseiten."
Warum ist das Thema dann nochmals im Fachausschuss am Montag vor einer Woche besprochen worden?
Das Tiefbauamt habe zuvor das Projekt nochmals nach neuen Gesichtspunkten abgeklopft, sei aber zu keinen neuem Abwägungsergebnis gekommen, wie der beengte Straßenraum besser genutzt werden könnte. Kahl erinnerte, dass die Stadt Grundstücksbesitzer vor Jahren erfolglos gefragt habe, ob sie einen ein Meter breiten Streifen ihrer Vorgärten abgeben würden.
Wie sieht die von der Stadt im Jahr 2000 ausgearbeitete Lösung aus?
Die Birkenallee ist insgesamt 10,30 Meter breit. Kahl nennt als beste und sicherste Lösung, auf beiden Seiten Angebotsstreifen für Radler zu markieren. Eine weiße, durchbrochene Linie und Piktogramme teilen, wie schon auf der westlichen Seite geschehen, jeweils 1,25 Meter breite Furten für Radfahrer ab. Er könne nachvollziehen, so Kahl, dass sich manche Radler dort unsicher fühlen, "aber solche Streifen haben sich als sicher erwiesen". Autos dürfen die Streifen bei Bedarf nutzen, etwa wenn ein Bus entgegenkommt. Ansonsten reichen die 4,50 Meter Breite für beide Fahrspuren aus, dass zwei Pkw aneinander vorbei können. Die Gehwege sind 1,55 bzw. 175 Meter breit. Kahl wies darauf hin, dass Kinder bis zehn Jahre mit dem Rad ohnehin den Gehweg benutzen müssen.
Warum werden die Radstreifen nicht auffällig rotflächig gestrichen?
Laut Kahl sind für solche Angebotsstreifen nur weiße Balkenlinien und Piktogramme erlaubt.
Warum legt die Stadt keinen kombinierten Geh- und Radweg an der östlichen Alleeseite an? Der besteht schon jetzt, wäre aber deutlich breiter, wenn die Birken gefällt sind.
Die Straßenverkehrsordnung lasse das laut Kahl nur zu, wenn dieser Weg auf einem Hochbord mindestens 3,50 Meter breit ist. Hier seien es aber nur 2,55 Meter. Es sei jedoch erlaubt, den Gehweg mit dem Zusatzschild "Radfahrer frei" zu versehen. "Nach meiner Einschätzung wäre das aber keine Lösung", sagte Kahl, weil der schmale Gehweg zu den Schulstoßzeiten nicht geeignet sei, Pulks von radelnden Schülern aufzunehmen. Außerdem würde die Gefahr durch Autos aus Seitenstraßen und Grundstücksausfahrten erhöht, weil sie direkt auf den Rad-/Gehweg mit schlechter Sicht auf passierende Radler stoßen.
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