Kempen: Steinerne Geschichte
VON TOBIAS KLEINEBRAHM - zuletzt aktualisiert: 31.08.2007Kempen (RPO). Zum Tag des offenen Denkmals wird der Kempener Grenzsteinweg eröffnet. Diese Radroute rund um die Stadt führt an über 100 historischen Grenzsteinen vorbei, die von der wechselvollen Geschichte der Region zeugen.
Alte Grenzsteine haben den Kempener Vermessungs-Ingenieur Ulrich Houben irgendwie schon immer beschäftigt. Früher, als der Verwaltungsangestellte damit betraut war, alte preußische Landes- und Grundstücksgrenzen zu rekonstruieren, waren sie so etwas wie Trophäen seiner täglichen Arbeit. Heute sind die historischen Grenzmarkierungen für ihn und seine Frau Christel zum mühevollen Hobby geworden, aus dem nun der Kempener Grenzsteinweg entstanden ist.
Diese fast 40 Kilometer lange Radroute rund um Kempen führt an über 100 historischen Grenzsteinen vorbei und wird zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, feierlich eröffnet. Den Startschuss am Kramermuseum in der Altstadt gibt um 11 Uhr der stellvertretende Bürgermeister Karl-Heinz Hermans.
Info-Broschüre
Die Stadt Kempen hat eine Info-Broschüre zum Grenzsteinweg herausgegeben mit weiteren Informationen zur Entstehung des Weges und einer farbigen Radwanderkarte. Die Broschüre ist ab sofort im Rathaus und in zahlreichen Kempener Geschäften erhältlich. Weitere Auskünfte auch unter Tel. 0 21 52 / 91 70
Anschließend werden um 11 und 12.30 Uhr geführte Radtouren entlang des Grenzsteinwegs angeboten. Mitglieder des Heimatvereins Schmalbroich, des Vereins linker Niederrhein und der Stadtverwaltung werden Bürgern und Besuchern anhand der Grenzsteine Geschichte und Geschichten der Region näher bringen. Die künstlerisch mit Wappen und Monogrammen gestalteten und meist mehrere hundert Jahre alten Steine (einer stammt sogar aus der Antike) sind entlang des Weges an 13 Stationen gruppiert
Bis zur Eröffnung war es allerdings ein steiniger Weg, den das Ehepaar Houben zurücklegen musste. Zunächst mussten die beiden überhaupt erst genügend alte Grenzsteine ausfindig machen. Anschließend galt es, die Hofbesitzer zu überzeugen, ihre alten Schätzchen für das Projekt zur Verfügung zu stellen.
Schließlich mussten nicht nur Sponsoren gesucht werden, sondern auch geeignete Flächen, um die Steine aufstellen zu können, und eine passende Radroute. Info-Tafeln galt es zu entwerfen und Wegweiser aufzustellen. „Das war schon eine Menge Arbeit“, sagt Ulrich Houben, der auch zahlreiche Unterstützer mit ins Boot holte. Julius von Heimendahl zum Beispiel. „50 Jahre lang habe ich auf die Gelegenheit gewartet meine Steine ausstellen zu können“, sagt der Besitzer von Haus Bockdorf, der bisher jeden Grenzstein seines Gutes aufgehoben hat und anhand dessen den Besuchern die Geschichte des Hauses erzählen wird.
Je nach Wetterlage erwarten die Organisatoren zum Tag des offenen Denkmals rund 400 Teilnehmer – schließlich können kurzentschlossene den ausgeschilderten Radweg auch auf eigene Faust antreten. Matthias Mertens vom Verein linker Niederrhein hat den Rundweg schon mit einer Radler-Gruppe getestet und kann aus Erfahrung sagen: „Die Leute waren begeistert.“
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