Kempen: Teure ewige Ruhe
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 06.10.2006Kempen (RPO). Die Friedhofsgebühren im Land sind in den letzten drei Jahren teils drastisch gestiegen. In Kempen verteuerten sich die Kosten für das Nutzungsrecht eines Urnenwahlgrabs innerhalb von drei Jahren um 281 Prozent.
Tönisvorst auf Platz 25
Einen Platz weit oben auf der Liste von „Aeternitas“ und Bund der Steuerzahler nimmt Tönisvorst im Bereich Erdbestattungen im Wahlgrab ein. Während im Jahr 2003 hierfür laut Liste noch 1621 Euro anfielen, werden aktuell 3062 Euro fällig. Nach dieser Erhöhung der Gebühren um 88,9 Prozent liegt Tönisvorst an 25. Stelle von 392 Friedhöfen (gestuft von hohen zu niedrigen Gebühren).
kreis viersen Für die Bestattung ihrer Lieben müssen die Angehörigen immer tiefer in die Tasche greifen. Das haben der Verein „Aeternitas“ und der Bund der Steuerzahler herausgefunden. Auf einer Liste veröffentlichten sie die aktuellen Friedhofs- und Bestattungskosten in den Kommunen des Landes im Vergleich zu denen von 2003. Eine jener Städte, die ihre Gebühren in den vergangenen drei Jahren in Teilbereichen drastisch erhöht haben, ist Kempen. Während die Gebührenzahler im Jahr 2003 für den Erwerb einer Nutzungsgebühr für ein Urnenwahlgrab noch 400 Euro aufwenden mussten, verlangt die Kommune dafür aktuell 1525 Euro. Das sind 281,25 Prozent mehr als noch vor drei Jahren.
Den Grund weiß der städtische Pressesprecher Christoph Dellmans: „Bis 2002 war die Grundlage für die Gebühr die Berechnung der Nettograbfläche, die bedeutend geringer ist als bei Erdbestattungen. Die Stadt Kempen legt aber bewusst die Urnengräber in großzügige Bestattungsfelder mit Freiflächen neben den Gräbern. Diese Freiflächen wurden Anfang 2004 in die Berechnungen mit aufgenommen. Deswegen wurde eine Gebührenanpassung erforderlich.“
Ähnlich deutlich fällt die Kostendifferenz in Willich aus. Waren für eine Erdbestattung im Reihengrab vor drei Jahren noch 999 Euro fällig, müssen dafür nun 1987 Euro bezahlt werden. Immerhin eine Erhöhung um 98,9 Prozent. In Willich begründet man die Gebührenanhebung damit, dass neue Grabtypen entstanden sind, Grundstücke gekauft wurden und mehrere 100 000 Euro in die Sanierung der Friedhofskapelle in Alt-Willich gesteckt wurden. „Diese Kosten müssen wir natürlich weitergeben“, erklärte Petra Eggert. Zudem seien bestimmte Grabtypen, wie eben die Erdbestattung in einem Reihengrab, damals bezuschusst worden. Die Zahl der Sterbefälle sei rückläufig, wogegen die vier Friedhöfe in ihrer vollen Größe unterhalten werden müssen, die Fixkosten also bleiben.
Schließlich sei die Konkurrenz durch die Bestatter sehr groß, insbesondere da sie den Erstkontakt zu den Angehörigen hätten. „Die Angehörigen machen oft nicht von unseren vier Trauerhallen Gebrauch, sondern nehmen ein Angebot des Bestatters wahr“, so Eggert. Sie sieht einen starken Trend zu Urnenbestattungen, auch wenn ihr Anteil an der Gesamtzahl der Beerdigungen noch gering sei. Auch die Kosten für Urnenbestattungen im Wahlgrab haben sich in Willich von 688 Euro auf 1135 Euro (plus 65 Prozent) erhöht. Im Vergleich eher moderat fallen die Erhöhungen in Grefrath aus. Für ein Reihenwahlgrab fielen 2003 dort 1535 Euro an, aktuell sind es 1847 (plus 20,4 Prozent). Ein Urnenwahlgrab allerdings schlägt nun mit 1209 Euro zu Buche, während ehemals 978 Euro zu zahlen waren (plus 47,9 %).
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