Stadt Kempen: Trauer um Opfer mit Protest gegen Atomkraft
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 19.03.2011Stadt Kempen (RPO). Mit Grab- und Teelichtern, die Flammen in den Gläsern gegen den Nieselregen mit Händen geschützt, zeigten gestern Abend Kempener Bürger ihr Mitgefühl mit den Tausenden Opfern des Erdbebens und Tsunamis in Japan.
Trotz der nasskalten Witterung kamen schätzungsweise gut 130 Menschen zum Franziskanerkloster."Wir wollen in erster Linie unsere Anteilnahme für die Japaner zeigen", sagen Liane Maeßen und ihre Tochter Alexandra. Beide wollen aber auch "ein klares Zeichen setzen, dass die Atomkraftwerke in Deutschland in absehbarer Zeit stillgelegt werden müssen."
Diese Technik sei unberechenbar und nicht verantwortbar. Ähnlich sehen es Ulrich und Christiane Nieten. Der Kempener leitete jahrelang die "Tschernobyl Kinderhilfe", die bis heute vielen Jungen und Mädchen aus dem nach wie vor verstrahlten Gebiet rund um den 1986 havarierten Atomreaktor in Weißrussland Erholung bietet.
Auch das Ehepaar will "Trauer und Solidarität" mit den Japanern ausdrücken. Es kennt aus eigener Anschauung das Katastrophengebiet im Norden, ihr Sohn lebte länger in Tokio. "Das ist ein ganz großer Schicksalsschlag."
Doch es geht hier nicht allein um die Trauer während eines zweiminütigen Schweigens. Das kündigt das Transparent "Sofortige Stillegung aller Atomanlagen" an.
Die Kempener Grünen wollen auf ihrer Veranstaltung auch gegen Atomkraft mit einem "Nein danke" demonstrieren. Und so ziehen Kinder, junge und ältere Bürger hinter dem Transparent, begleitet von sieben Polizisten und eigenen Grünen-Ordnern, über Enger- und Judenstraße zum Buttermarkt.
Unter einem Zeltdach spricht dort zunächst der evangelische Berufskollegpfarrer Roland Kühne. "Es geht nicht darum, Trauer zu instrumentalisieren, sondern aus der Trauer mitfühlende Sorge zu entwickeln", sagt er und ruft auf, die Schöpfung zu bewahren. "Wir müssen eine Welt des Maßhaltens entwickeln." Einige von 250 Briefen seiner Schüler zu Japan werden vorgelesen. Tanja fürchtet um ihre E-mail-Freundin Nao: Die 17-jährige Japanerin hat seit einer Woche nichts mehr von sich hören lassen.
Den Abschluss machen eine quasi Grünen-Kundgebung gegen Atomkraft mit ihrem MdL Hans Christian Markert und ein Aufruf des Ratsherrn Dr. Michael Rumphorst, die Grünen in ihrer Forderung zu unterstützen, dass die Stadtwerke Kempen keinen Atomstrom (jetzt neun Prozent) mehr beziehen. Ein peinliches Schlusswort.
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