Stadt Kempen: Trotz Zusatzzügen bleiben Fahrgäste zurück
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Stadt Kempen (RP). Die Klagen von Berufspendlern über das mangelhafte Zug- und Platzangebot der Nordwestbahn auf der Regionalstrecke Kleve-Kempen-Krefeld-Düsseldorf reißen nicht ab.
Trotz der am Mittwoch von der NWB präsentierten zusätzlichen Zugverbindungen um 7.05, 7.35 und 8.05 Uhr zwischen Kempen und Krefeld seit Dezember mussten auch gestern Fahrgäste in Kempen zurückbleiben. Denn der reguläre Zug um 8.15 Uhr nach Krefeld/Düsseldorf hatte statt der üblichen zwei Triebwagen nur einen, und auch ein zweiter fuhr "geschwächt".
"Die Folge war eine extreme Überfüllung des Zuges bis in die 1. Klasse, und einige Pendler konnten auch nicht mitgenommen werden", schreibt Nico Papenburg. Er fragt sich, was ein zusätzlicher Takt bringe, wenn dafür die Züge drum herum kürzer seien?
"Haarsträubende Szenen"
Auch Frank Gierkes vermutet ein solches Vorgehen. Er berichtet von "haarsträubenden Szenen auf den Bahnsteigen in Kempen und Krefeld" in den vergangenen Wochen. Die Nordwestbahn habe zwar auf Ersatzbusse verwiesen, mit denen jedoch Anschlüsse unmöglich zu bekommen seien. Und die drei neu eingeführten Verbindungen morgens früh könnten aufgrund ihres kurzen Zuglaufs zwischen Kempen und Krefeld nur von wenigen Fahrgästen sinnvoll genutzt werden.
Die Auslastung gestern Morgen um 8.05 Uhr habe bei höchstens 30 Prozent gelegen. Fazit von Frank Gierkes: "Nach den bisherigen Erfahrungen mit der Nordwestbahn scheint das Unternehmen völlig überfordert und kann auch die selbst geweckten Erwartungen in keinster Weise erfüllen."
Nach wie vor argumentiert das Privatunternehmen aus Osnabrück mit dem Unfall am 7. August 2010 im Gelderner Bahnhof, bei dem eine DB-Diesellok samt Güterwagen zehn abgestellte NWB-Triebfahrzeuge gerammt und beschädigt hatte, davon drei sehr schwer. Eines von drei noch fehlenden Fahrzeugen kehre nun am Samstag zurück, so gestern NWB-Sprecherin Katrin Hofmann: "Zwei Triebwagen fehlen uns noch." Ihre Fertigstellung nach einem Monate dauernden, aufwändigen Wiederaufbau sei in den nächsten Wochen zu erwarten: "Wenn alle drei wieder im Einsatz sind, ist alles gut", versichert Hofmann.
So weit ist es aber noch nicht, denn wieder konnte die NWB heute einen Zug – 7.15 Uhr ab Kempen – nur mit zwei statt drei Triebwagen auf die Strecke schicken. Parallel sollte ein Bus von Kempen nach Krefeld eingesetzt werden, so die Pressesprecherin. Zwar habe die NWB sechs Züge von ihrer Schwester Nord-Ostsee-Bahn als Reserve erhalten: Allerdings sind die nicht am Niederrhein stationiert. Es ist Vorlaufzeit nötig, um sie einzuplanen. Hofmann räumt ein: "Die Fahrzeuglage ist schwierig."
Das findet Bahnkunde Nico Papenburg ebenfalls: "Das Unternehmen Nordwestbahn scheint in keinster Weise auf Reparaturen/Wartungen/Ausfälle mit Reservekapazitäten vorbereitet zu sein" – und das schon seit langem: "Statt Ausreden vorzubringen, sollte das Unternehmen lieber handeln."
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