Kempen: Umgang mit dem Defi lernen
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010Kempen (RPO). Sie haben sich lange einen gewünscht, nun haben sie ihn. Der Schulsanitätsdienst der städtischen Realschule in St. Tönis verfügt jetzt über einen Defibrillator. Eine erste Schulung zur Benutzung erfolgte durch die Malteser.
St. Tönis Ein bisschen nervös sei sie schon, gibt Anne zu. Aber wenn man einmal wisse, wie es funktioniere, dann sei es ein sehr gutes Gefühl, dieses Gerät jetzt im Schulzentrum Corneliusfeld zu wissen, sagt die 14-jährige Realschülerin, die seit zwei Jahren Schulsanitäterin ist. Gemeinsam mit ihren 42 Schülersanitätskollegen ist an diesem Tag Lernen angesagt. Malteser-Ausbildungsleiter André Martini erklärt den Umgang mit dem neu angeschafften Defibrillator, damit die Schulsanitäter im Notfall wissen, was zu tun ist.
Das neue Gerät hängt in einem gesicherten Kasten im Forum des Schulzentrums, um für jeden und jederzeit greifbar zu sein. "Es war schon lange unser Wunsch einen Defi zu besitzen. Doch es scheiterte bislang an der Finanzierung", sagt DRK-Ausbilder und Betreuungslehrer Joachim Sczyrba, der den Schulsanitätsdienst an der Realschule leitet. Die herstellende Firma defiMed half bei der Sponsorensuche für das rund 1000 Euro teure Gerät. 15 Sponsoren fanden sich, die es der Realschule ermöglichten, das lebensrettende Gerät anzuschaffen. "Ein 15-Jähriger ist bei einem Hockeysspiel tot umgefallen, das Herz. Dies hat mir die Wichtigkeit des Defibrillators gezeigt. Gerade auch in einer Schule", erklärt Norbert Parlings, einer der Sponsoren.
Noch ein Übungsgerät
Schulsanitätsdienst Der Schulsanitätsdienst an der städtischen Realschule besteht seit 2004. Ihm gehören 43 Schüler der Klassen acht bis zehn an.
Bedarf Verbandsmaterial für rund 250 Euro verbraucht der Schulsanidienst im Jahr bei Einsätzen und für Übungen.
Wunsch Für den Schulsanitätsdienst sucht die Schule Sponsoren, die die Kosten für das Verbandsmaterial tragen. Des Weiteren wünscht man sich eine zweite Liege für den Sanitätsraum und einen Übungsdefibrillator (Kosten etwa 200 Euro).
Wie genau ein Defi eingesetzt wird, das erläutert Martini, wobei "das Gerät einem eigentlich ganz genau erklärt, was man tun muss. So dass auch ein Laie damit problemlos umgehen kann", sagt Martini. Seine Aussage stellt er direkt unter Beweis. Beim Öffnen des Kastens, der den Defi enthält, ertönt eine etwas blecherne Stimme. "Achtung, folgen Sie den Angaben des Gerätes", ist zu hören. Die Stimme fordert auf, den roten Handgriff zu ziehen und die Verpackung zu öffnen. Schritte, die Martini, aufmerksam beobachtet von den Schulsanitätern, macht.
"Der Umgang mit dem Defibrillator ist eigentlich einfach", betont der Ausbildungsleiter. Aber nach wie vor besteht eine große Hemmschwelle, dieses lebensrettende Gerät zu benutzen. "Untersuchungen haben gezeigt, dass die häufigste Ursache für einen Herzstillstand ein Kammerflimmern ist. Dieses Flimmern kann nur durch einen elektrischen Stromschlag beendet werden, und der muss innerhalb der ersten Minuten passieren", erklärt Martini.
An Wiederbelebungspuppe Anne demonstriert er die weiteren Schritte. "Achtung, Patient nicht berühren. Schock wird vorbereitet", sagt das Gerät. Dazu leuchtet der rote Knopf auf. Martini drückt ihn und der Schlag erfolgt. "Weiterführen der Herzmassage", fordert die Stimme des Gerätes auf, und genau das machen Martini und die Schüler dann. Sie alle werden keine Hemmungen haben, den Defi im Notfall blitzschnell einzusetzen.
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