Kempen: Umkämpfter Einzug in den Olymp
VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 19.02.2007Kempen (RPO). Kurz nach 15 Uhr war es gestern geschafft, dann hatten Prinz Theo I. und Karin I. das Kempener Rathaus mit ihrem Narrengefolge fest in der Hand. Tapfer hatte die Verwaltungsmannschaft gekämpft und sich sogar mit den niederrheinischen Highländern in ihren Schottenröcken Söldnertruppen zur Hilfe geholt. Doch auch wenn die Highländer beim Strohsackwerfen gegen eine Abordnung von Prinzengarde, Funkenartillerie und Bauern sowie den Söhnen des Prinzenpaares nach Punkten eindeutig vorne lagen, entschied das Publikum auf dem vollen Buttermarkt lautstark für die Narrentruppen.
Da konnte Bürgermeister Karl Hensel als Gottvater Zeus im Kempener Olymp des Rathauses noch so sehr klagen: „Ich könnt nicht alles mit dem Plebiszit entscheiden“, das Narrenvolk nahm ihm die Entscheidung nach Aufforderung von KKV-Geschäftsführer Heinz Börsch einfach aus der Hand. Volksentscheid auf gut kempsche Art. Wacker versuchten Zeus Hensel und sein Gehilfe Herkulett (Karl-Heinz Hermans), beide angetan mit griechischer Götterkluft und wallenden Perücken, Hermans sogar mit einem goldenen Lorbeerkranz auf dem Haupt, sich im Wortgefecht mit Heinz Börsch zu behaupten, aber trotz wohl gewählter Wortspitzen vermochten sie nichts gegen den spontanen Witz des KKV-Geschäftsführers auszurichten.
Überlauf zu den Gegnern
Vor den Toren des Rathauses waren Verwaltungsspitze und Politiker aufmarschiert, um dem Kempschen Olymp vor der Narrenschar zu schützen. Allen voran Vizebürgermeisterin Mathilde Bildstein (CDU) mit den Ratsherren Jochen Herbst (CDU), Karlheinz Omsels (CDU) und Peter van der Bloemen (CDU), wobei Letzterer als St. Huberter glatt zu den gegnerischen Truppen überlief .
Das Prinzenpaar Theo I. und Karin I. (Balters) waren gegenüber der Verwaltung und ihren gespitzten Federn und Bleistiften sehr im Vorteil. Nicht nur, dass sämtliche Karnevalsvereine und Garden sowie die Funkenartillerie mit allen Mannen aufmarschiert waren, sie hatten auch noch eine mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Besen bewaffnete Bauernarmee aus ihrer Heimat St. Hubert mitgebracht. Und natürlich das bunt kostümierte Volk auf dem Markt hinter sich. Die „Drie Fruende“ auf der Bühne unterstützten das Ganze noch musikalisch. Und wenn dann noch der St. Martin in Person, nämlich Jüppi Trienekens, der auch bei der Prinzengarde ist, die Prinzessin ins Rathaus geleitet, da kann die Verwaltung nur noch die Waffen strecken, erkannte Herkulett Hermans ganz richtig. „Dort oben im Rathaus, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste und Sorgen bleiben bis Dienstag verborgen“, hatten die Narren bereits vorher befunden.
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