Tönisberg: Was nächtens so passiert
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 03.03.2008Tönisberg (RPO). Wenn das katholische Pfarrheim in Tönisberg aus allen Nähten platzt, dann kann das nur bedeuten: Die Tönisberger „Bretterbühne ´82“ spielt wieder Theater. Am Wochenende war „Die Nacht der Nächte“.
„Die Zeit ist rum, ich bin dran“, mit gierigem Blick visiert Anni Seidenspinner das Sofa, auf dem sich Lioba Michel lümmelt. „Stimmt nicht, ich habe noch eine Minute“, kontert die Sofabelagerin und blättert in aller Gemütsruhe ihre Zeitschrift um. „Wir sollten uns ein zweites Sofa anschaffen oder Schichtdienst einführen, dann kann jeder während der Dienstzeit auf dem Sofa liegen“, meint Anni, die sich mit einem Stuhl und einem Tisch als Fußablage begnügen muss. „Wie weit bist du mit der Steuererklärung?“, will Lioba dagegen wissen. „So gut wie fertig. Morgen fang ich an“, kommt die Antwort.
„Frau“ lässt arbeiten
Dass es die beiden Damen mit den Schlabberhosen, den bequemen T-Shirts und den dicken Socken an den Füßen nicht so mit der Arbeit haben, das wird den Besuchern im katholischen Pfarrheim in Tönisberg schnell klar. Die beiden lassen arbeiten und zwar ihre Männer, genauestens kontrolliert versteht sich. Am Wochenende hatte die Theatergruppe „Tönisberger Bretterbühne ´82“ zu ihrem Lustspiel „Die Nacht der Nächte“ eingeladen. Dass man bei der Bretterbühne herzlich Lachen kann, hat sich schon weit über die Grenzen von Tönisberg herum gesprochen. Auch diesmal enttäuschten die Schauspieler die Besucher nicht. Lioba und Anni – in den Rollen brillierten Adelheid van Hall und Ursula Intveen – führen ein Familienunternehmen und zwar die Agentur „Leih dir einen Mann“.
Dafür müssen neben dem jungen Super-Dieter, bestens dargestellt von Frank Hessen, die eigenen, schon betagteren Ehemänner Florian Michel und Alois Seidenspinner – hier begeisterten Jens Pfeifer und Guido Hessen – herhalten. Und die haben es nicht einfach, müssen sie doch als Wiener Würstchen und Huhn Reklame laufen. Brüllendes Gelächter von Seiten der Zuschauer, als Alois als Wurst und Egon als Huhn ins Büro der Gattinnen marschieren. Doch es wird noch besser. Der Kunde Detlef Renner – Torsten Bednorz mit rosa Hemd, schwarzer Lederhose, rosa Schuhen und weißem Schal spielte phantastisch – will das Unternehmen umkrempeln. Herrliche Dialoge zwischen Lioba: „Du, ich glaube der ist vom anderen Ufer“ und Annis Reaktion darauf in Form der Frage: „Kommen Sie aus St. Hubert?“ riefen wahre Lachslaven hervor. Damit aber nicht genug. Liobas Sohn Florian (Jens Pfeiffer) will Marita Fischer (Petra Goak) heiraten, deren Adoptivmutter Gretchen (Margret Rögels) eine dorfbekannte Wahrsagerin ist. Und die sagt voraus, dass der wirkliche Vater ihrer Adoptivtochter in der Hochzeitsnacht tot umfallen wird.
Panik bei den beiden Ehemänner, denn einer könnte der Vater sein. Doch so eine Voraussage kann auch noch anderwärtig genutzt werden, wie die „Nacht der Nächte“ zeigte. Manchmal gelingt auf diesem Weg auch die Flucht vor den nörgelnden Ehefrauen. Alles in allem ein Stück, das mit hervorragend spielenden Schauspielern das Publikum begeisterte.
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