Stadt Kempen: Wenn Mama und Papa sich trennen
zuletzt aktualisiert: 15.11.2008Stadt Kempen (RPO). Der Sozialpädagoge und Therapeut Volker Heck (40) über die Probleme der Kinder bei einer Scheidung der Eltern, den Umgang mit dem Kind nach einer Trennung, den Einfluss der dunklen Jahreszeit auf die Psyche und die Rolle neuer Lebenspartner.
Volker Heck von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, hält am Montag in Kempen einen Vortrag über die Probleme der Kinder, wenn die Eltern sich trennen. Vorab sprach er mit der Rheinischen Post darüber.
Wie schwierig ist es für Eltern, bei einer Scheidung die Probleme für die Kinder zu berücksichtigen?
Volker Heck Das Schwierige für die Eltern ist, dass sie sich bei der Trennung in einer Situation befinden, die mit Enttäuschung verbunden ist. Eltern haben mit sich selbst und mit vielen Veränderungen zu tun. Sie versuchen, auch gut auf die Kinder zu achten. Manchmal ist gerade das ein schwieriger Spagat.
Was rät man den Eltern dann?
Heck Das Wichtigste ist, dass man sich als Paar trennt, aber als Elternteam noch funktionieren muss. Für die Kinder ist es sehr entlastend, mitzubekommen, dass Papa und Mama gemeinsam in der Verantwortung bleiben und noch miteinander reden können. Oft schlagen die Wellen gerade im Trennungsjahr sehr hoch, und Konflikte treten auf. Nach der Scheidung beruhigt sich das aber vielfach wieder.
Welche Rolle spielt das Alter der Kinder für die Verarbeitung?
Heck Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger fällt die Verarbeitung. Jugendliche können das Verhalten der Eltern entwicklungsbedingt eher einsortieren.
Was raten Sie Paaren, die nur noch wegen der Kinder zusammenbleiben?
Heck Wenn das tatsächlich der ausschließliche Grund ist, dann kann die Partnerschaft nicht funktionieren. Für Kinder ist es unheimlich wichtig, mit zufriedenen und glücklichen Eltern aufzuwachsen. Es gibt Fälle in der Beratung, wo es heißt: ,Eigentlich haben wir schon vor zehn Jahren gemerkt, dass wir nicht zusammenpassen. Aber wegen der Kinder haben wir uns nicht getrennt.’ Das sind oft Familien, in denen ein Kalter Krieg herrscht. Und das ist keine gute Atmosphäre für Kinder.
Wie hat sich die Arbeit in der Familienberatung verändert?
Heck Die Fallzahlen sind deutlich gestiegen und mit ihnen auch die Akzeptanz, zu einer Beratungsstelle zu gehen. Sich scheiden zu lassen, ist auch nicht mehr so stigmatisiert wie früher. Laut Statistik wird schließlich jede dritte Ehe geschieden. Das zeigt, dass die Schwierigkeiten der Familien größer geworden sind. Wir haben früher viel mehr mit Unsicherheiten bei Erziehungsfragen zu tun gehabt. Das hat sich verlagert zu komplexeren Problemen und Krisen in Familien.
Was interessiert heute am meisten?
Heck Zum Beispiel die Frage, wie klar eine Trennung an die Kinder transportiert und gelebt wird. Diese Frage muss jede Familie für sich selbst beantworten. Auf Dauer geht es Kindern aber besser, wenn Klarheit herrscht. Sie sind natürlich erst einmal traurig, wütend oder fallen in ein Loch. Sie lernen aber auch, sich mit der Situation zu arrangieren. Kinder haben auch das Recht, darüber informiert zu werden – auf eine kindgerechte Art und Weise. Das heißt, man sollte auch nicht jeden Anwaltsbrief mit dem Kind besprechen. Das sind Erwachsenendinge. Das Kind kann sich die Eltern nicht aussuchen, auch nicht nach einer Trennung. Und dem Kind geht es dann gut, wenn es ein gutes Bild von beiden Eltern hat.
Ist es ein Problem, wenn ein Elternteil schon einen neuen Partner hat?
Heck Oft ist das ein Problem für den Ex-Partner. Das bedeutet noch einmal eine Verletzung und erschwert es, offen auf den früheren Partner zuzugehen. Kinder können durch solche Veränderungen in ihren Familien verunsichert werden. Aber mit Unterstützung beider Eltern können sie das auch bewältigen und daran wachsen.
Sind Trennungen saisonabhängig?
Heck Der Herbst ist eine Zeit, in der wir viele Beratungen haben. Die dunkle Jahreszeit sorgt dafür, dass es den Leuten zum Teil psychisch schlechter geht. Weihnachten ist mit großen Erwartungen, manchmal auch überfrachteten Erwartungen, verbunden. Und wenn die nicht erfüllt werden können, spielen sich schon mal Dramen ab. Das merken wir dann im Januar.
Andreas Cüppers führte das Gespräch.
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