Gemeinde Grefrath: Zurück in die 60er
VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Gemeinde Grefrath (RPO). Mondlandung, Studentenproteste, sexuelle Revolution, dies sind nur einige Schlagworte, die für die 60er Jahre stehen. In der Grefrather Dorenburg startet am Sonntag eine Sonderausstellung zu dieser Epoche.
Es ist eine seiner schwierigsten Ausstellungen, die Dr. Heinz-Peter Mielke, Leiter des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath, bislang betreut hat. Denn die Epoche, um die es ab Sonntag in der Sonderausstellung in der Dorenburg geht, hat Mielke, Jahrgang 1947, bewusst in Frankfurt am Main als Student mitbekommen: die 60er Jahre. So zahlreich für ihn die Eindrücke aus dieser Zeit waren, so schwierig war es auch, die Themen und Exponate für die Ausstellung auszusuchen.
Leihgaben aus der Bevölkerung
"Willkommen in den 60ern", heißt der Titel der Schau, die das Museum des Kreises Viersen von Sonntag bis zum 22. November zeigt.Nach Angaben von Mielke ist das Niederrheinische Freilichtmuseum bundesweit das erste, das diese Epoche aus kulturhistorischer Sicht beleuchtet. Im Jahr 2002 widmete sich das Museum den 50er-Jahren, eine Ausstellung, die in der Region viel beachtet wurde. Wie bei den vorherigen Ausstellungen stammen auch die Exponate für die am Wochenende beginnende Sonderschau sowohl aus Beständen des Museums als auch aus Leihgaben aus der Bevölkerung.
Was noch wichtig ist
Eröffnung Sonntag, 5. Juli, 11 Uhr
Ort Niederrheinisches Freilichtmuseum, An der Dorenburg 28, Grefrath
Geöffnet Di bis So 10 bis 18 Uhr
Dauer bis 22. November
Widmung Die Ausstellung ist dem Kreis-Kulturdezernenten Dr. Leo peters gewidmet, der Ende September in den Ruhestand geht
Die Zeit der 68er ist an Heinz-Peter Mielke in Frankfurt vorbeigegangen. "Da habe ich richtig studiert, davon weiß ich nichts", erzählt der Museumsleiter, der sich lieber um sein BWL-Studium als um Studentenproteste kümmerte. Dennoch bewertet er die 60er Jahre als ein Zeitalter der Befreiung. Das Symbol für diese Zeit ist für Mielke die Anti-Baby-Pille. Sie ist auch das erste Exponat der Ausstellung. Die Pille habe zu einem Paradigmenwechsel in der deutschen Gesellschaft geführt. Die Zeiten, in denen die Frauen den Männern rechtlich untergeordnet gewesen seien, seien damit endgültig vorbei gewesen.
In den Schulen hielten Sexualkunde-Atlanten Einzug, mancherorts kritisch beäugt. Die Leihgeberin eines solchen Atlas berichtete Mielke, ein Rektor einer Kempener Grundschule habe die Bücher unter Verschluss gehalten und nur an verheiratete Lehrer ausgegeben.
In den Küchen der 60er Jahre kamen immer stärker die Einbauküchen auf, Schrankwände hielten in Wohnzimmern Einzug, in orangefarbenen Plattenständern aus Plastik standen Scheiben der Beatles und von Heintje, im Fernsehen und im Kino waren Serien wie "Raumschiff Orion" oder Winnetou-Filme mit Pierre Brice zu sehen. Eine Leihgeberin aus Forstwald – sie war großer Pierre Brice-Fan – stellte dem Museum Ordner mit ihrer Privatsammlung über den Schauspieler zur Verfügung.
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