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„Charakter- und stillos“

zuletzt aktualisiert: 19.07.2008

Vor drei Wochen war Kurt Rademacher beim TuS Dremmen überraschend entlassen worden. Nun redet der Coach Klartext – zu den Hintergründen im Allgemeinen und zur Rolle von Kurt Conen im Besonderen.

Beschäftigen eventuell sogar das Gericht: Trainer Kurt Rademacher und TuS Dremmens Fußball-Leiter Kurt Conen (kl. Bild).  Foto: RPO
Beschäftigen eventuell sogar das Gericht: Trainer Kurt Rademacher und TuS Dremmens Fußball-Leiter Kurt Conen (kl. Bild). Foto: RPO

Am Donnerstag, 26. Juni, bekam Kurt Rademacher einen überraschenden Anruf. Da sagte ihm Kurt Conen, Vorsitzender der Fußballabteilung des TuS Rheinland Dremmen, dass er nicht mehr Trainer des Landesliga-Absteigers sei – er habe mit Claus Richter einen neuen Trainer verpflichtet. Erledigt ist die Sache damit aber nicht, wie RP-Mitarbeier Mario Emonds im Gespräch mit Rademacher erfuhr.

Der Zeitpunkt Ihrer Entlassung schlug in der Szene wie eine Bombe ein.

Rademacher Kann ich sehr gut verstehen. Obwohl wir uns bereits nach der Hinrunde im Abstiegskampf befanden, wurde mein Vertrag als Trainer des TuS am 23. Februar 2008 bei Handschlag mit Kurt Conen verlängert. Dabei sagte er ausdrücklich, dass die Vertragsverlängerung auch im Falle eines Abstiegs Gültigkeit habe. Als ich dann nach der Heimniederlage gegen Erkelenz am 13. April meinen Rücktritt anbot, lehnte das der Vorstand ab und bekräftigte, auch mit mir in die Bezirksliga zu gehen. Trotzdem: Hätte mich der Verein unmittelbar nach dem Abstieg entlassen, hätte ich dafür Verständnis gehabt. Doch abgestiegen sind wir am 1. Juni – nicht aber am 26. Juni . . .

Info

Zur Person

Kurt Rademacher ist gebürtiger Schafhausener, die Union sein Heimatverein. Der 48-Jährige war knapp anderthalb Jahrzehnte Trainer beim Oberbrucher BC – erst in der Jugend, dann bei der Reserve, ab 2002 für drei Jahre bei der Ersten. In dieser Zeit schaffte er jeweils das Kunststück, mit einer – gerade im letzten Jahr – im Grunde landesligauntauglichen Truppe dennoch die Klasse zu halten. Ab 2005 machte er aus privaten Gründen für ein Jahr Pause, ehe ein kurioses halbjähriges Gastspiel beim C-Ligisten (!) Concordia Birgelen folgte – aus Freundschaft zu einem dortigen Vorstandsmitglied. 2007 übernahm er dann den TuS Dremmen.

. . . womit Sie exakt zehn Tage vor dem ersten Training der neuen Saison rausgeworfen wurden.

Rademacher Ja, das hat mich daher auch sehr hart getroffen. Das ist mehr als eine Frechheit; es ist charakter- und respektlos und hat nicht nur einen schlechten, sondern gar keinen Stil. Schließlich hatte ich mich fast im Alleingang um die Zusammenstellung der neuen Mannschaft gekümmert, was sich schon als sehr schwierig erwies. Viele der von mir angesprochenen Akteure scheuten das Umfeld in Dremmen oder sahen den TuS nicht als sportliche Herausforderung an. Am Ende war ich froh, mit viel Aufwand acht Neuzugänge geholt zu haben. Gerade einmal drei Tage vor meiner Entlassung hatte ich mir noch von den beiden letzten Spielern die erforderlichen Unterschriften eingeholt.

Zum Dank bekamen Sie den Stuhl vor die Tür gesetzt. Wie erklären Sie sich das denn?

Rademacher Wie mir weitere Vorstandsmitglieder des TuS bestätigt haben, ist dies ein Alleingang von Herrn Conen gewesen. Der hat damit seine Vorstandskollegen vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie ich mittlerweile weiß, soll Herr Conen dabei erheblich von meinem Ex-Torwart Markus Zimmermanns beeinflusst worden sein. Der wusste, dass er in meinen Planungen keine Rolle mehr spielte, und hat daher bei Herrn Conen Propaganda gegen meine Person betrieben – ausgerechnet Zimmermanns, der sich nach dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Geilenkirchen so bitterlich beschwert hat, dass er nach vielen Jahren beim TuS vom Vorstand nicht gebührend verabschiedet worden ist . . .

Und der nun doch weitermacht.

Rademacher Das überrascht mich nicht. Der ist ja ein guter Freund von Claus Richter.

Wie bewerten Sie das Jahr beim TuS Rheinland Dremmen?

Rademacher Grundsätzlich ist sicherlich einiges im Argen gewesen. So wurden Aufwandsentschädigungen nie pünktlich, mitunter zwei Monate zu spät gezahlt, Mitgliedsbeiträge bei einigen Spielern doppelt kassiert. Busse, die zu Auswärtsspielen eingesetzt werden sollten, standen nicht zur Verfügung. Dazu fehlte ein Ansprechpartner aus dem Vorstand, man war eigentlich auf sich alleine gestellt. Zum Höhepunkt wurde am letzten Spieltag kein einziger der abgehenden Spieler verabschiedet.

Sind Sie mit dem TuS denn nun wenigstens finanziell im Reinen?

Rademacher Nein. Mittlerweile habe ich von Herrn Conen den noch ausstehenden Betrag aus der Vorsaison, doch er streitet ab, mit mir einen gültigen Vertrag für die neue Spielzeit zu haben. Er sagte, wenn ich darauf poche, dürfen sich zwei Anwälte freuen. Das kann er haben.

Sie haben also einen Anwalt mit der Wahrung Ihrer Interessen betraut?

Rademacher Ja, das habe ich vorgestern getan.

Einen neuen Verein finden Sie auf die Schnelle jetzt aber nicht mehr.

Rademacher Dafür weiß ich aber, dass ich nie mehr bei einem Verein arbeiten möchte, der von einem Mann so diktatorisch geführt wird wie der TuS. Der wird von einem Mann geleitet, der offenbar viel Geld, jedoch wenig Fußballverstand besitzt und einen Haufen Marionetten um sich geschart hat. So was muss ich nicht mehr haben.

Quelle: RP

 
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