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Fußball: Ein Wunder war es nicht

VON WILLI SPICHARTZ - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010

Vor 40 Jahren stieg Borussia Hückelhoven in die Verbandsliga auf, damals die dritthöchste Spielklasse. Der Erfolg kam mit Trainer Horst Meyer aus Rheydt in die Zechenstadt.

Die Meistermannschaft 1970 mit Betreuern. Stehend v.l.: Spielobmann Hans Ziemeck, Betreuer August Hintzen; Hermann Henßen, Jackie Konietzka, Friedhelm Bey, Hans Peter Henßen, Peter Boisten, Willi Roes, Werner Stübing, Theo Jansen, Heinz Wittka, Trainer Horst Meyer. Hockend v.l.: Horst Rostek, Rolf Antoniak, Wolfgang Over, Dieter Gryschka und Hansi Betz.  Foto: RPO
Die Meistermannschaft 1970 mit Betreuern. Stehend v.l.: Spielobmann Hans Ziemeck, Betreuer August Hintzen; Hermann Henßen, Jackie Konietzka, Friedhelm Bey, Hans Peter Henßen, Peter Boisten, Willi Roes, Werner Stübing, Theo Jansen, Heinz Wittka, Trainer Horst Meyer. Hockend v.l.: Horst Rostek, Rolf Antoniak, Wolfgang Over, Dieter Gryschka und Hansi Betz. Foto: RPO

Die Fußballsaison nähert sich dem Ende. Bei Borussia Hückelhoven ist man darüber heilfroh, dank guter Auftritte in der ersten Saisonhälfte sicherte man zuletzt knapp den Klassenerhalt in der Kreisliga B.

Vor genau 40 Jahren sah das ganz anders aus: Die Borussia feierte im Mai den Aufstieg in die höchste deutsche Amateurliga – die dritthöchste Liga überhaupt nach Bundes- und Regionalliga.

Die Bundesliga war gerade sieben Jahre alt, deren Unterbau bildete die Regionalliga, unterteilt in fünf über die Republik verteilte Einzelgruppen. Darunter dann die Verbandsliga, hier die Abteilung Mittelrhein, in der der SC Jülich 10 seit 1968 die Dominanz der Kölner Vereine durchbrochen und die Meisterschaft erkämpft hatte.

Ein Pünktchen Vorsprung

Welchen Stellenwert die Mittelrhein-Liga im Kontext des Fußballs der Republik hatte, lässt sich daran absehen, dass Jülich 1968, 1969 und 1970 Deutscher Amateurfußballmeister wurde. Und in die Amateur-Elite war Hückelhoven in einem ungemein spannenden Spieljahr gelangt, das man mit einem Punkt Vorsprung vor dem eigentlichen Landesliga-Favoriten SV 09 aus Brachelen, das damals noch nicht zur Stadt Hückelhoven gehörte, beendete.

Info

Fusionsgedanken

Den Aufstieg der Borussia nutzte der damalige Bürgermeister der Bergbaustadt, Dr. Adolf Spieß von Büllesheim, zu einem Vorstoß, die Hückelhovener Fußballvereine zu einer Fusion, zumindest aber einer Spielgemeinschaft zusammenzuführen, um noch ehrgeizigere Ziele zu erreichen. Hieß: Regionalliga oder sogar Bundesliga. Vorbild war der SV Alsenborn (bei Kaiserslautern), der gerade um einen Punkt an der Bundesliga gescheitert war.

In Hückelhoven scheiterte es bereits am Unwillen der anderen Vereine. Nach dem dritten Spieljahr stieg die Borussia ab. Es folgte ein Niedergang bis in die Kreisliga B, in deren aktuellem Saisonfinale man sogar auf Alt-Herren-Spieler zurückgreifen musste, da nicht einmal mehr eine Reservemannschaft existiert. Oder es kam zur Spielabsage – wie am Sonntag.

Ein Wunder war die herausragende Rolle der Borussia im regionalen Fußball eigentlich nicht. Seit dem Zweiten Weltkrieg lieferte man sich ein Dauerduell mit dem SC 09 Erkelenz um die Vorherrschaft im Kreis, in das ab und an der VfJ Ratheim und der SC Wegberg mit Aufstiegen in die Landesliga eingriffen.

Das offizielle Gründungsdatum der Borussia ist 1922, Fußball wurde schon vorher gespielt, verwurzelt bei den Dörflern, denn die Zeche Sophia-Jacoba war im Aufbau nach dem Ersten Weltkrieg, der Zuzug von Bergleuten hatte gerade erst begonnen. Mit der explodierenden Einwohnerzahl nahm der Sport in der nunmehrigen Bergbaugemeinde ungeheuren Aufschwung, vor allem der Fußball, da viele Neubergleute aus dem kickfreudigen Ruhrgebiet kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trainierte gar Schalke-Legende Ernst Kuzorra die Borussia aus dem "Rur-Gebiet".

Mit dem Rheydter Horst Meyer als Trainer, der mit Werner Stübing und Theo Jansen zwei Akteure des Verbandsliga-Spielvereins mitbrachte, schaffte Hückelhoven 1969/70 nach dem Aufstieg aus der Bezirksliga den Durchmarsch durch die Landesliga. Erst am zweitletzten Spieltag übernahm man die Tabellenspitze vom Favoriten Brachelen, wurde Meister mit einem Punkt Vorsprung. Es knallten keine Sektkorken – in Hückelhoven floss das Pils in breiten Strömen.

Quelle: RP

 
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