Fußball: Erst Aufregung, dann aber friedlicher Verlauf
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 01.11.2010Anderthalb Stunden vor dem Anpfiff haben Michael Schäfer und Klaus Wittke ihren Posten im Beecker Waldstadion schon bezogen. Die beiden szenekundigen Beamten, wie das im Fachjargon so schön heißt, stehen im Eingangsbereich – in Zivil. Das Duo ist aus Essen mitgekommen. "Insgesamt sind wir ein Viererteam. Zwei von uns sind bei jedem Spiel von Rot-Weiß dabei", erläutert Schäfer. Sehr lange macht diesen Job schon sein Kollege: "Genau gesagt seit 24 Jahren", sagt Wittke trocken.
Bewusst am Eingang
Bewusst haben die beiden am Eingang gut sichtbar Stellung bezogen: "Wir wollen von den Fans gesehen werden. Sie sollen wissen, dass wir da sind", sagt Schäfer. Einen wirklichen stressigen Abend erwartet er aber nicht: "In dieser Saison ist bislang noch nichts passiert. Die Fans haben sich vorbildlich benommen." Wegen der schlechten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, vor allem an die Bahn, würden zu diesem Trip ohnehin weniger Rot-Weiße als sonst ihren Verein begleiten. "300 bis 400 Fans dürften es heute weniger werden."
Am Ende sind es dann doch rund 1500 unter den insgesamt 2000 Zuschauern (hatte der FC am Freitagabend noch offiziell 1795 zahlende Zuschauer gemeldet, so korrigierte er diese Zahl nach dem abschließenden Kassensturz am Samstag).
Doch nicht nur die beiden Beamten sind als Sicherheitspersonal aus Essen mit nach Beeck gekommen. Das gilt auch für fünf Ordner, die auf der Gegengeraden Position beziehen – da stehen schließlich die Rot-Weißen. Unmittelbar vor Anpfiff bekommen diese Herren einige Arbeit. Gilt es doch, bei den Fans einige "Überzeugungsarbeit" zu leisten: Die Zaunstücke, die diese zuvor nach hinten "entsorgt" hatten, müssen wieder an Ort und Stelle befestigt werden. Schließlich hat Schiedsrichter Thomas Metzen, der mit seinen Assistenten sehr professionell per Funk verbunden ist, unmissverständlich klar gemacht, dass er vorher nicht anpfeifen wird. Dem wird Folge geleistet, mit 13-minütiger Verspätung geht's los. Die fünf Essener Ordner sind vor der Essener Meute auch fortan nicht unbedingt zu beneiden, versehen ihre Dienst aber ebenso gelassen wie unaufgeregt – sie kennen halt ihre Pappenheimer.
Wie die Kräfteverhältnisse auf den Rängen (Essens Fans feuern ihre Lieblinge fast ohne Unterlass lautstark an) entwickelt sich zunächst auch die Partie. Mit sehr schnellem Spiel (oft nur mit einem Kontakt) drückt Essen mächtig. In der 13. Minute hat Beeck noch Glück, dass der Assistent bei einem klasse herausgespielten Tor von Lukas Lenz wegen vermeintlichen Abseits die Fahne hebt – die bewegten Bilder im Essener Fan-Internet-TV belegen später diese Fehlentscheidung eindeutig.
Und auch nach dem 0:1 durch Lenz (diesmal zählt's) hat der FC in Hälfte eins noch mal den Unparteiischen auf seiner Seite: Die Aktion von Beecks Keeper Sascha Rodemers gegen Leon Enzmann war elfmeterreif. "Das hat mir Rodemers selbst bestätigt. Ein Riesenkompliment für diese Ehrlichkeit", merkt dazu Essens Coach Waldemar Wrobel an. Der fährt im Grunde nur einmal aus der Haut – aus einem kuriosen Grund: Kerim Avci, der während seiner verletzungsbedingten Behandlungspause ausgetauscht worden ist, hat seine Auswechslung nicht mitbekommen, schickt sich danach an, wieder aufs Feld zu laufen – allen hektischen Signalen von der weit entfernten Essener Bank zum Trotz.
Nach dem Spiel steigen dann rund 100 Essener Fans in die beiden vom FC organisierten Pendelbusse, die die Anhänger zum Bahnhof nach Erkelenz bringen – immerhin so viele waren doch auf gut Glück mit dem Zug angereist.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum