Fußball: Erst gar kein Training, nun umso mehr
zuletzt aktualisiert: 19.07.2010Einen fast schon revolutionär zu nennenden Ansatz verfolgt bereits seit Mitte April Hermann-Josef Lambertz, Trainer des TuS Germania Kückhoven.
Bereits am 5. Juli sind Sie ins Training eingestiegen – das macht also acht Wochen Vorbereitung. Verdammt lang. Was steckt dahinter?
Lambertz Dazu muss man wissen, dass wir in der vergangenen Saison bereits seit dem 2:4 gegen Alemannia Mariadorf nicht mehr trainiert und nur noch die Spiele absolviert haben.
Dieses Spiel war aber bereits am 11. April – und die Meisterschaft ging noch bis zum 30. Mai. In dieser Zeit haben Sie nicht mehr trainiert?
Lambertz So ist es. Denn nach dieser Niederlage stand fest, dass wir oben nicht mehr angreifen können. Umgekehrt konnten wir auch nicht mehr absteigen. Ab da war also schon ein bisschen die Luft raus. Und einfach nur Gute-Laune-Trainings abhalten wollte ich auch nicht – das wäre doch bloße Beschäftigungstherapie gewesen. Also habe ich zunächst meinen Kapitän Roland Eßer gefragt, was er von der Idee halte, nun gar nicht mehr zu trainieren und dafür aber im Sommer viel eher anzufangen. Auch die Mannschaft hat dann zugestimmt.
Zwei Wochen sind nun rum. Haben die Jungs in dieser Zeit denn schon einen Ball gesehen?
Lambertz Nein, haben sie nicht. In den ersten drei Wochen steht mal ein richtig vernünftiges Grundlagentraining an. Zurzeit lernen die Jungs ausgiebig den Rheydter Monte Klamott und die Millicher Himmelstreppe kennen. Die meisten sind ja aber auch noch sehr jung, die können das wegstecken. Außerdem wissen sie ja auch, dass nach diesen drei Wochen mit insgesamt 15 Laufeinheiten alle weiteren Übungseinheiten nur noch mit Ball gemacht werden. Zum Spielen kommen sie also noch genügend. So nehmen wir an den Turnieren in Rurdorf, Holzweiler und Dremmen teil, sind zudem ja auch im Kreispokal dabei. Bislang ziehen alle toll mit, die Beteiligung ist riesig.
Was sagt Ihr Vorstand zu diesem völlig ungewöhnlichen Konzept?
Lambertz Der steht dahinter. Ich bin selbst am meisten gespannt, wie's ausgeht.
Was wollen Sie erreichen?
Lambertz Wir streben einen Platz unter den ersten Fünf an.
Mario Emonds führte das Gespräch.
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