Korschenbroich: Abstellkammer als Umkleide
VON TIM ULRICH - zuletzt aktualisiert: 01.05.2007Korschenbroich (RPO). Immer mehr junge Frauen sichern sich einen Platz in einer einstigen Männerdomäne: Mit den Löschzügen von Korschenbroich und Kleinenbroich rücken auch zwei weibliche Rettungskräfte zur Brandbekämpfung aus.
Daniela Schipper und Lena Krames sind zwei ungewöhnliche Korschenbroicher Frauen. Im Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr müssen die beiden einiges über sich ergehen lassen. „Im letzten Jahr stand ich an einer Absperrung, als jemand meinte, von einer Frau lasse er sich nichts sagen“, schildert Daniela Schipper eines ihrer Erlebnisse. „Aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren.“ So etwas ist Lena Krames noch nicht widerfahren. Doch auch sie merkt, wie sie in ihrer Uniform gemustert wird. Daniela Schipper und Lena Krames sind die ersten beiden Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Korschenbroich.
Daniela Schipper hatte dabei auch mit Vorurteilen zu kämpfen. „Meine Freunde meinten, ich wäre bescheuert, als Mädchen in die Feuerwehr einzutreten“, erinnert sich die 20-Jährige. Vor fünf Jahren trat sie der Jugendfeuerwehr bei. Drei Jahre später folgte dann der Wechsel in den aktiven Dienst beim Löschzug Kleinenbroich. Soviel Erfahrung kann Lena Krames noch nicht vorweisen. Die 18-jährige Schülerin ist seit Anfang des Jahres Teil des Löschzuges Korschenbroich. Für sie wurde eigens die Abstellkammer zur Umkleidekabine umfunktioniert.
Feuerwehrfrauen
Anzahl Deutschlandweit sind rund sieben Prozent der freiwilligen Feuwehrleute Frauen. Das entspricht 71 000 Mitgliedern – Tendenz steigend.
Aktion Der Deutsche Feuerwehr Verband wirbt in Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium mit dem Slogan „Frauen am Zug“ derzeit für noch mehr weibliche Mitglieder.
Schutzkleidung in Frauengröße
„Ich hatte auch das Problem, dass die Feuerwehr gar nicht auf Frauen eingestellt war“, sagt Daniela Schipper. Sie musste als erstes ihre gesamte Schutzkleidung bestellen. Selbst die kleinsten vorhandenen Größen waren noch drei Nummern zu groß. Mit den männlichen Kollegen gab es da schon weniger Probleme. „Ich wurde sehr gut aufgenommen“, findet Krames. „Die Kameradschaft ist hier sehr groß.“ Trotzdem muss sie sich manchen Spruch anhören. Für beide kein Problem. „Da muss man drüber stehen. Schließlich hört man so etwas auch im Freundeskreis. Nur weil ich dabei bin, soll sich hier niemand umkrempeln“, meint Schipper.
Vielleicht haben die Männer mit der ungewohnten Situation mehr Probleme. „Die meinen, sie müssten sich wegen uns zurückhalten. Aber das stimmt nicht“, betont Krames. Auch sonst wollen die beiden Frauen keine Sonderbehandlung. Sie machen die gleichen Übungen wie die Männer. „Im Einsatz verlassen wir uns auf den anderen. Da muss jeder Handgriff sitzen“, erläutert Schipper. Das bestätigt auch der Leiter der Korschenbroicher Feuerwehr: „Wir verlangen von unseren Frauen das gleiche wie von unseren Männern“, sagt Stadtbrandinspektor Frank Baum, der sich mehr Frauen in der Feuerwehr wünscht. „Die Züge machen da keinen Unterschied“, verspricht er Interessentinnen, räumt aber auch ein, dass es „viel Freizeit kostet, 365 Tage im Jahr verfügbar zu sein“.
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