Kleinenbroich: Aktion gegen Speichenbrecher
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 25.07.2008Kleinenbroich (RPO). Das Bürgerforum Kleinenbroich hat rund 200 Fahrradständer im Ort begutachtet und fotografiert. Ergebnis: Gut 95 Prozent taugen nichts. Das Forum nimmt nun Kontakt zu allen Eigentümern auf und bietet Hilfe an.
Der gute, alte Fahrradständer aus Beton und Gerd Sacks Vorderrad sind keine Freunde geworden: Der Reifen wackelte und kippte und verbog, und die Speichen waren hin. Sack wäre lieber gewesen, der Betonständer hätte sich weniger eindrucksvoll für die Mängelliste des Bürgerforums Kleinenbroich aufgedrängt.
Im ganzen Ort haben die Mitglieder rund 200 Abstellanlagen für Fahrräder unter die Lupe genommen und mit Fotos dokumentiert. Ihr kritisches Ergebnis: rund 95 Prozent taugen nichts, sind echte Speichenbrecher, laden zum Diebstahl ein, geben keinen Halt – werfen Risiken auf, statt Sicherheit zu bieten. Jetzt nimmt das Forum mit allen Eigentümern der unzweckmäßigen Fahrradständer – Stadt, Kirche, Geschäftsleute – Kontakt auf und bietet Beratung an.
Radstation
Wunsch Das Bürgerforum macht sich für eine Radstation am Kleinenbroicher S-Bahnhof stark, vorzugsweise auf dem Areal zwischen Gleisen und „Schnaggebaas“.
Angebot Radstationen bieten sichere Abstellplätze gegen Gebühr (70 Euro pro Jahr), Wartung, Pannenhilfe, Vermietung, etc.
Verbreitung NRW hat mit gut 60 Radstationen das bundesweit dichteste Netz.
Mustergültiges ADFC-Geschenk
Je sechs mustergültige Exemplare stehen vor dem Alten Bahnhof Kleinenbroich und dem Rathaus in Korschenbroich. Bezeichnenderweise haben die Fahrrad-Experten vom ADFC Korschenbroich diese Radständer der Stadt gestiftet. An die einbetonierten, u-förmigen Stahlbügel kann das Rad angelehnt, der Rahmen diebstahlsicher mit dem dicken Rohr verbunden werden. Ein Bügel kostet nach Angaben des Bürgerforums etwa 30 Euro.
Auf die ersten vier Anschreiben hat das Forum zwei Reaktionen bekommen: Der Edeka-Markt Handick schaffte neue Fahrradständer an und folgte dem Vorschlag, sie direkt vor den Eingang zu platzieren. „Vorher standen sie zwischen Einkaufswagen und Parkplätzen, man kam ganz schlecht dran“, berichtet Wilhelm Fischer, der die Aktion mit seinem Forums-Kollegen Hans-Joachim Engelbrecht koordiniert. Das Haus Tabita ließ wissen, für Abhilfe zu schaffen, sobald die finanziellen Mittel vorhanden seien.
Gerd Sack kündigt zudem Fortschritte im Einkaufszentrum Auf den Kempen an, wo die Ständer zum Beispiel besser einsehbar platziert werden sollten. „Die Eigentümergemeinschaft ist sehr an unseren Vorschlägen interessiert“, sagte Sack, als das Forum die Aktion gestern vorstellte. Bis Ende des Jahres sollen alle Kontakte stehen.
Das Bürgerforum ist überzeugt, dass das Fahrrad insbesondere wegen steigender Benzinkosten rasant an Bedeutung gewinnen wird. Dieser Prognose soll das Radständer-Projekt Rechnung tragen und in ein Verkehrskonzept des Forums für Kleinenbroich (liegt im Herbst vor) eingebunden werden. Kreisweit machen Räder am Straßenverkehr derzeit zwölf Prozent aus. Gerd Sack hat aber schon jetzt beobachtet: „Zum Einkaufen fahren hier bereits heute gut und gerne 30 bis 40 Prozent mit dem Rad.“
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