Korschenbroich: Als Frischling in Berlin
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009Korschenbroich (RPO). Bundestagsnovizen müssen improvisieren: Ansgar Heveling, Abgeordneter aus Korschenbroich, arbeitet in Berlin noch in einem provisorischen Büro. Bis er eine Wohnung findet, lebt er in einer WG mit dem Kollegen Günter Krings.
Die Postadresse ist die erste am Platze. Wer "Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin" auf einen Brief an den Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling schreibt, erreicht den Adressaten. Dessen tatsächliche Adresse ist allerdings derzeit ein Zwei-Zimmer-Büro an der Ecke Unter den Linden/Wilhelmstraße – mit Möbeln, die der Korschenbroicher von den Vormietern übernommen.
Denn das momentane Domizil des Ende September aus dem Wahlkreis Korschenbroich, Jüchen, Krefeld und Meerbusch erstmals in den Bundestag entsandten Volksvertreters ist ein Provisorium.
Ein Foto seiner Familie und ein Kreuz, das er seit Studentenzeiten gewöhnlich auf seinem Schreibtisch liegen hat, wird Heveling in Berlin erst auspacken, wenn ihm sein endgültiges Abgeordnetenbüro zugewiesen ist. Eines mit drei Zimmern wird es sein – so wie es jedem Abgeordnetem ohne besondere Ämter und Funktionen zusteht.
Kontaktadressen
Wahlkreisbüros Meerbusch, Meerbuscher Str. 10, von Willy Wimmer übernommen. Krefeld, CDU-Geschäftsstelle, Carl-Wilhelm-Str. 30-32
Internet www.ansgar-heveling.de
Aussichten auf Rechtsausschuss
Und ein Abgeordneter ohne besonderen Status ist Heveling als Bundestagsfrischling nach gerade mal zwei Sitzungswochen noch. Zwar durfte er in dieser kurzen Zeitdie Bundeskanzlerin mitwählen.
Doch zu den Wortführern und großen Tieren, zum Kreis der Fraktionsspitzen, Arbeitsgruppen- oder Ausschussvorsitzenden, gehört er zwangsläufig noch nicht. Immerhin: "Es sieht so aus, als hätte ich Chancen, in den Rechtsausschuss zu kommen", sagt Heveling, "damit hatte ich nicht gerechnet." Aufgrund seiner Erfahrung als Leiter des Referats Verkehrspolitik der CDU-Landtagsfraktion hatte der Korschenbroicher sich für die Mitarbeit im Verkehrsausschuss gemeldet.
Aber Recht wäre dem gelernten Juristen auch recht: "Das ist ein Querschnitts-Ausschuss, in dem sehr viele Themen behandelt werden." Und daher kein unwichtiger.
Dass sich diese Chance für den Neuling aus Korschenbroich eröffnet, dazu hat sein momentaner Vermieter einen Teil beigetragen. Da Heveling derzeit noch auf Wohnungssuche in der Hauptstadt ist – vorzugsweise in den Bezirken Mitte, Tiergarten und Prenzlauer Berg – hat er vorübergehend bei dem Mönchengladbacher CDU-Kollegen Dr. Günter Krings Obdach gefunden.
"Eine Abgeordneten-WG", sagt Heveling – und zwar eine, in der die Arbeitsteilung in Sachen Müll raustragen und Kaffee kochen funktioniere. Krings war Mitglied des Rechtsausschusses und hat einen Stuhl freigemacht, als er kürzlich in den Kreis der Vize-Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde. Der Karriere ist der Rechtsausschuss also nicht gerade abträglich.
Krings war es auch, der dem befreundeten Kollegen aus seiner Nachbarstadt während dessen allerersten Tagen in Berlin sein Büro zur Mitnutzung anbot. "Da konnte ich mich mal hinsetzen, telefonieren oder Mails abrufen", sagt Heveling. Anfang nächsten Jahres, hofft er, wird er sein endgültiges Drei-Zimmer-Büro bezogen haben. Dann kann er auch seinen fünfjährigen Sohn mal mitnehmen und zeigen, wo Papa jetzt arbeitet.
Ans Pendeln zwischen Berlin und Korschenbroich, müssen sich Heveling und die Familie noch gewöhnen. "Das ist ein ganz anderer Rhythmus. Wenn ich in Berlin bin, bin weg. Aber wenn ich zu Hause bin, bin ich flexibler als bisher, weil ich mir meine Termine selbst einteilen und vieles am Schreibtisch daheim erledigen kann."
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