Korschenbroich: Bauruine droht der Teilabriss
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 03.04.2008Korschenbroich (RPO). Die Schonfrist für den Schandfleck am Bahnhof Korschenbroich ist abgelaufen. Die Stadt setzt den Eigentümer jetzt unter Druck. Ohne Fortschritt erlischt die Baugenehmigung. Ein Architekt sagt: Das Gebäude ist nicht zu retten.
Vor einem Jahr hat Dieter Hoffmans ein Ultimatum gesetzt: Passiert bis Frühjahr 2008 nichts an der Bauruine am Korschenbroicher Bahnhof, gibt es Ärger. Jetzt macht der Leiter des städtischen Planungsamtes ernst. Nächste Woche schaut er sich das Stückwerk noch einmal an und prüft, ob tatsächlich kein maßgeblicher Fortschritt erkennbar ist. Dann mahlen die Mühlen des Baugesetzes: die Baugenehmigung erlischt. „Durch eine hinfällige Genehmigung ist nichts mehr rechtens, was daraufhin gebaut wurde“, erklärt Hoffmans. Dem Eigentümer droht er mit einem Teilabriss.
Der Gladbacher Eigentümer reagierte auf die Ankündigung der Stadt gestern überrascht und verärgert. Auf Anfrage der Rheinischen Post hieß es, es fehle das Geld, um den Bau fertigzustellen. Schon der nächste Schritt, das Dach aufzusetzen, sei zu teuer. Der Eigentümer will nach wie vor verkaufen, räumt aber ein, keinen Interessenten zu finden. Der Kaufpreis ist trotzdem unverändert: 670 000 Euro.
Stückwerk am Bahnhof
Eigentümer Detlef Palme, Mönchengladbach, selbstständiger Handwerker
Plan Palme wollte in dem Gebäude auf 1000 Quadratmetern ein Fitness-Studio unterbringen, fand aber keinen Interessenten.
Zeitplan 2004 kündigte der Eigentümer an, dass Bauwerk zügig fertig zu stellen.
Verkauf Potenziellen Käufern ist der Preis viel zu hoch, auch die Firma Alux winkte schon ab.
Sanierung sinnlos
Experten schätzen, dass der tatsächliche Marktwert nicht einmal die Hälfte beträgt. Der Korschenbroicher Architekt Hans Tiefes schraubt die Erwartungen sogar noch viel weiter herunter – auf Null: „Das Objekt ist für keinen vernünftig nutzbar und wird sich auf keinen Fall ins Stadtbild fügen. Eine Sanierung ist undenkbar.“ Sprich: Nur der Abriss macht Sinn. In Richtung Stadt betont Tiefes: „Ich habe mir schon lange gewünscht, dass die Verwaltung auf den Eigentümer endlich Druck ausübt.“
Dem Architekt ist der Schandfleck nicht nur aus städtebaulicher Sicht ein Dorn im Auge. Er hat für die angrenzende Brache der Firma Alux ein Büro- und Wohnkonzept entwickelt. Doch das Projekt stockt seit fast zwei Jahren. Stadtplaner Hoffmans erklärt, dass die Bauruine Investoren abschrecke.
Alux-Geschäftsführer Henning Schlüter hat sich für sein Vorhaben auf einen städtebaulichen Vertrag mit der Stadt eingelassen. So lange er weiterhin keinen Bauantrag stellt, steht ihm jedes halbe Jahr eine Vertragsstrafe ins Haus. Die ersten 10 000 Euro hat er nach RP-Informationen bereits bezahlt, die nächste Summe wird Ende April, Anfang Mai fällig. Der Vertrag gibt es laut Planungsdezernent Rudolf Graaff sogar her, das Baurecht zurückzuziehen. „Aber wir sehen derzeit keinen Anlass dazu. Wir haben ein Interesse daran, dass das Gebiet entwickelt wird.“ Schlüter wollte sich gestern nicht äußern.
Weil der Bahnhof ein Eingangstor zur Stadt darstellt, will die Stadt die Umgebung endlich attraktiver sehen. Immerhin an einer Stelle ist Bewegung spürbar: Die Fahrschule Ismar hat die Stadt gerade ein Bauprojekt genehmigt.
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