Korschenbroich: "Das Fenster" in der Alten Schule
VON ANGELA WILMS-ADRIANS - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010Korschenbroich (RPO). Die Augenhöhe liegt im Bereich der Bildunterkante, und so muss der Betrachter den Blick schon nach oben wenden, wenn er Karl Josef Striebes schmale Hochformate vollständig betrachten will. Die ungewöhnliche Positionierung zur Ausstellung in der Alten Schule in Korschenbroich hat natürlich einen Grund: sie stellt den direkten Bezug zum vielleicht nur 400 Meter entfernten Fenster in der Sebastianusstraße 42 her.
40 Blätter
Von 2006 bis heute bespielte und bespielt der Künstler noch immer den schmalen Ausblick vom Treppenhaus mit immer neuen Einzelarbeiten. Aus dieser Fülle musste er nun 34 Stück aussuchen. "Ich hatte erst die Idee, die Bilder vor die Fenster der Schule zu hängen", erzählt Striebe. Doch nun füllt er diese mit geschriebenen eigenen Worten sowie Zitaten aus verschiedenen Epochen zu Einblick und Ausblick. Er fordert zum Rundgang in Leserichtung auf. Wie bereits die Zitate beweisen, ist der Künstler bekennender Anhänger von sprachlichen Ergänzungen.
Er spricht von einer "Grenzgängerei zwischen Bilder- Macherei und Schreiben" – und gibt zu, diesen Zwiespalt zu mögen. Die ausgewählten Beispiele sind technisch und formal "vollkommen durcheinander", ein Konglomerat von Zeichnung, Malerei und Collage. Der Künstler arbeitet abstrakt, gegenständlich und mit erzählenden Hinweisen. Inhaltlich verzichtet er bewusst auf ein Leitthema. "Es ist ein rauf und runter", verweist Striebe auf die Mischung von politischen, gesellschaftlichen und sehr persönlichen Bezügen.
So trifft von Gutenbergs Inszenierung als Renaissancefürst auf die symbolische Verarbeitung eines Wasserrohrbruchs im Keller, der ihm ein Drittel des eigenen Archivs kostete. Der Künstler hat keine Scheu zu provozieren und fand daher bereits einige Male auf dem Fenster Sebastianusstraße aussagekräftige Reaktionen. Für ihn ist das über vier Jahre entstandene Ergebnis der "Fensterbilder" "eine unglaublich subjektive Geschichte", die auch die Auswahl so schwierig machte. Hannes Pütz, pensionierter Kollege des Lehrers am Giesenkirchener Gymnasium, beschäftigt sich seit seit Jahren eingehend mit dem Gladbacher Bibelfenster im Münster.
Er erkennt in Striebes künstlerisch umgesetzter Idee "einen Monitor für die umliegend wohnenden Leute". Die Reihe sei typisch für Striebe, "da er sich einerseits einwurzelt, aber so variabel ist, dass Leute positiv oder erschreckt angeregt sind". Am 21.2., 27.2. und 7.3. ist die Ausstellung von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Montags, donnerstags und freitags von 11 bis 13 Uhr.
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