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Korschenbroich: Die Biene als Sündenbock

VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009

Korschenbroich (RPO). Das Insekt transportiert ohne Wissen genmanipulierte Pollen. Diese landen nicht nur im Honig, sondern auch bei den Landwirten, die von der Bestäubung der Bienen profitieren. Heimische Imker befürchten Konsequenzen.

Von den Fähigkeiten ihrer Artgenossen kann unsere fleißige Honigsammlerin nur träumen.  Foto: RPO
Von den Fähigkeiten ihrer Artgenossen kann unsere fleißige Honigsammlerin nur träumen. Foto: RPO

Mehr als 80.000 Imker in Deutschland haben ein Problem. Und das heißt Gentechnik. Seit dem "Augsburger Urteil", das im vergangenen Mai gefällt worden ist, ist das Problem der Imker sogar noch größer. Denn ganz unverschuldet können sich Imker seitdem nicht nur strafbar machen, sondern müssen ihren Honig auch vernichten – wenn mehr als 0,9 Prozent transgene Pollen im Honig nachgewiesen werden. "Den Imkern sind die Hände gebunden", sagt der Korschenbroicher Biologe Georg Waldmann. Im Rhein-Kreis Neuss ist zwar noch kein solcher Fall bekannt. Werden in Zukunft aber auch in NRW genmanipulierte Pflanzen angebaut, ist das wohl nur eine Frage der Zeit.

Für die Spuren von Gentechnik in ihrem Honig können die Imker nichts. Wenn ihre Bienen das tun, was ihre Aufgabe in der Natur ist, nämlich von einer Pflanze zur nächsten fliegen, Blüten bestäuben und im Tausch dafür Nektar erhalten, dann können auch durch Gentechnik manipulierte Pollen an den Bienen kleben bleiben.

Info

Die Imker

In Deutschland Bundesweit gibt es etwa 80 000 Imker, die dem Deutschen Imkerbund, den es seit 1907 gibt, angehören.

Im Rheinland Der hiesige Imkerverband, der 1849 gegründet wurde, teilt sich in 34 Kreisverbände auf, in denen es aktuell mehr als 5400 Imker gibt.

Im Rhein-Kreis Neuss Sieben Bienenzuchtvereine gibt es im Kreis, davon einen in Hochneukirch und einen in Korschenbroich.

Kein Schadensersatz für Imker

Geraten die im heimischen Stock dann in die Honig-Produktion, darf der Imker sein als naturreinen Honig angepriesenes Produkt nicht mehr verkaufen. "Das Urteil besagt sogar, dass dem Imker dafür kein Schadensersatz zusteht", berichtet Waldmann von einem Fall in Bayern. Doch es geht bei der Diskussion um transgene, also durch Gentechnik veränderte Pollen nicht um den Honig allein. Wer eine Biene durch die Luft summen sieht, der ahnt meist nicht, was sie alles bewirkt. "Wenn es die Honigbiene nicht geben würde, hätten wir ein massives Problem mit der Bestäubung der Pflanzen", sagt Waldmann. "Auch die Obst- und Rapsbauern profitieren von Insekten, die Blüten bestäuben."

Das würden aber noch nicht alle Landwirte erkennen. "In den USA gibt es für Imker mittlerweile eine Bestäubungsprämie, die bis zu dreimal so hoch ist wie in Deutschland. Da leben Imker davon, dass sie den Landwirten helfen." Den Dialog mit der Kreislandwirtschaft suchten die Imker des Rhein-Kreises bislang vergeblich. Dabei liegt die volkwirtschaftliche Wertschöpfung durch Bienen in Deutschland bei mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr.

Schuld an der Misere der Imker, deren Bienen zunehmend an Pflanzen-Schutzmitteln verenden, tragen vor allem die Chemie-Konzerne, die transgene Pflanzen auf den Markt bringen. Waldmann befürchtet, dass im Wahljahr "kein Politiker das heiße Eisen Gen-Technik anfassen wird". Zu klein ist die Lobby der Imker und zu groß die der Chemie-Unternehmen, die mit dem Verkauf der Produkte viel Geld verdienen. Und die Biene zum Sündenbock werden lassen.

Quelle: RP

 
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