Korschenbroich: Die Milchtankstelle
VON KARIN VERHOEVEN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Korschenbroich (RPO). Sie ist bleifrei und etliche Kunden finden sie schon super: Auf dem Bauernhof der Familie Bertram in Schlich können Besucher frische Milch tanken – und zwar 24 Stunden am Tag. Möglich macht's ein Automat.
Frische Milch rund um die Uhr: Das bietet der Bertramshof in Schlich Am Birkenbusch an. Autofahrer, die die Landstraße 230 befahren, werden in Höhe Schlich per Schild auf die SB Milchzapfstelle hingewiesen. Irmgard Bertrams erzählt: "Früher waren viele Kunden richtig enttäuscht, wenn der Molkereiwagen die ganze Milch abgeholt hatte." Das ist jetzt anders: Der Hof ist laut Bertrams der erste im Rhein-Kreis-Neuss, an dem man an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr frische Milch zapfen kann. Nicht per Hand von der Kuh, sondern an einem Automaten in einer Holzhütte direkt vor dem Anwesen.
Vier Prozent Fettgehalt
Der Bertramshof
Kühe Etwa 70 Milchkühe hat der Bertramshof im Durchschnitt.
Preis Ein Liter Milch kostet 70 Cent – es gibt auch Teilmengen.
Methode "Ein Gefäß für die gezapfte Milch und Kleingeld sollte man mitbringen – der Automat wechselt nicht", sagt die Bäuerin.
Jedesmal, wenn Toni Miler aus Düsseldorf über die L 230 fährt, legt er einen Zwischenstopp ein, um frische Milch zu holen. "Meine Frau und ich haben vier Kinder und schätzen Milch mit vollem Vitamin- und Fettgehalt." Besonders für die Gesundheit seiner Kinder sei das wertvoll. Deshalb zapft er jedes Mal mindestens fünf bis zehn Liter der frischen Rohmilch mit etwa vier Prozent Fettgehalt ab, die sich im Kühlschrank drei bis vier Tage hält und nach Sahne schmeckt.
Bäuerin Irmgard Bertrams sagt: "Pasteurisiert bleibt die Milch zwar bis zu sechs Tage haltbar – aber durch das ultrahohe Erhitzen gehen die Vitamine verloren." Täglich werde der Tank der Zapfstelle gespült und neu befüllt, die Milch werde rund um die Uhr maschinell gekühlt und permanent gerührt.
Auch Ursula Schröder aus Glehn ist begeistert: "Das schmeckt, wie man es von früher gewohnt war." Heike Dichant mit ihren beiden Töchtern Jule (5) und Nele (2) kommen ebenfalls so oft es geht. Vorwiegend wegen der leckeren und gesunden Milch – aber auch wegen der niedlichen Kälbchen, die geschützt in Kälberiglus so viel an der frischen Luft sind, wie eben möglich. "Dann werden sie viel widerstandsfähiger und gesünder", meint Irmgard Bertrams. Sie setzt auf gesundes Milchvieh ohne Einsatz von Antibiotika.
Dass Kunden schon sehr früh morgens unterwegs sind zum Milch holen in der Holzhütte vor dem Bauernhof, sehen Bertrams anhand der Fußstapfen im Schnee. Auf die gewohnten Gespräche mit den Bauern braucht man nicht zu verzichten: "Wir wollen den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden nicht verlieren."
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