Korschenbroich: Die werden mich akzeptieren
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 02.09.2006Korschenbroich (RPO). Korschenbroichs neuer Wehrleiter Frank Baum will an Zusammenarbeit und Zusammenhalt der Einheiten arbeiten. Angst, zwischen Fronten zu geraten, hat er keine. Vor unbequemen Entscheidungen auch nicht.
Die Rücktritte
Peter-Josef Esser Wehrführer von 1991 bis 7. März 2001, dem Tag der Gerichtsverhandlung zum tödlichen Feuerwehrunfall. Noch am Abend erklärte er seinen Rücktritt, nach eigener Aussage um Druck von seiner Familie zu nehmen.
Hermann Knabben Essers Nachfolger legte am 25. September 2005 aus „privaten Gründen“ völlig überraschend sein Ehrenamt nieder.
„Ich wünsche ihm, dass er das packt.“ Kreisbrandmeister Reinhard Seebröker hat diese Worte, wie auch immer man sie deuten mag, dem neuen Korschenbroicher Feuerwehrchef mit auf den Weg gegeben. Wie Frank Baum, am Donnerstag vom Rat einstimmig bestellt, seine Chancen und sein Durchsetzungsvermögen selber sieht und wie er mit der Wehr umgehen will, das hat er der Rheinischen Post erzählt.
Sie haben sich 2000 als Leiter des Löschzugs Korschenbroich versucht, ohne Erfolg. Warum trauen Sie sich jetzt zu, die gesamte Freiwillige Feuerwehr zu führen?
Baum Es gab damals Unstimmigkeiten zwischen mir und meinem Stellvertreter, dem Vorstand. Ich wollte Änderungen, die nicht akzeptiert wurden. Das ist aber alles ausgeräumt. Heute bin ich erfahrener und weiter ausgebildet, und ich habe Erfahrung als stellvertretender Wehrleiter gesammelt.
Manche Löscheinheiten sind sich, gelinde gesagt, nicht grün. Haben Sie keine Angst, zwischen die Fronten zu geraten?
Baum Also zunächst einmal bin ich nicht der Meinung, dass die sich nicht grün sind. Und ich habe auch keine Angst. Weil ich massiv dran arbeiten werde, dass die Zusammenarbeit gefördert wird, einsatzmäßig, übungsmäßig und kameradschaftlich.
Ihre Stammeinheit ist der Löschzug Korschenbroich. Glauben Sie, dass die anderen Einheiten Sie akzeptieren?
Baum Die werden mich akzeptieren. Der Löschzug Korschenbroich ist ja nicht der Buhmann. Das sehen Sie auch am Votum der Wehr, dass eindeutig für mich ausgefallen ist. Der Feuerwehrunfall von 2000 ist wirklich langsam aus den Köpfen raus. Wir brauchen nur Zeit, um zusammenzuschmelzen.
Der Kreisbrandmeister hat an alle Einheiten appelliert, Streitigkeiten und Misstrauen auch gegenüber der Wehrführung endlich beizulegen und sich nur noch den Feuerwehraufgaben zu widmen. Wie wollen Sie Ihre Kameraden darauf einschwören?
Baum Das ist genau der Punkt, wo ich hin will. Sobald meine Bestellung zum Wehrleiter amtlich ist, werde ich in alle Einheiten gehen und fragen: Wo drückt der Schuh, was ist in den vergangenen Jahren schief gelaufen? Vielleicht kann man auch schon sofort was ausmerzen. Es muss einfach Offenheit her. Wenn einer ein Problem hat, soll er es offen sagen.
In der Feuerwehr kursiert der Verdacht, dass Sie eine Art Strohmann sind, den die Stadt und die Wehr bequem lenken können. Der eigentliche Chef, heißt es, bleibe Frank Hoffmann, der jetzt vom kommissarischen Wehrleiter zum Stellvertreter wird.
Baum Ob ein Verdacht kursiert oder nicht: Ich bin Feuerwehrchef! Und ich werde auch unbequeme Entscheidungen treffen. Ich mache schon jetzt viele Sachen ohne Frank Hoffmann. Mit der Stadt wegen Haushaltsdingen zum Beispiel, sonst würden die doch Hoffmann anrufen.
Wer wird Ihr zweiter Stellvertreter?
Baum Darüber haben wir noch nicht gesprochen, es gibt auch noch keinen Kandidaten. Ich will aber an einem zweiten Stellvertreter festhalten, allein schon, damit es bei Abstimmungen in der Führung kein Patt gibt.
Sie sollen am 1. Oktober anfangen. Ihre erste Amtshandlung?
Baum Vermutlich die Änderung der Alarm- und Ausrückeordnung, da sind einige Haken und Ösen drin. Demnächst werden drei statt bisher zwei Einheiten ausrücken. Dadurch wollen wir noch häufiger in kürzester Zeit mit der Mindestanzahl von Männern am Einsatzort sein. Wir wollen an die 100 Prozent ran.
Erstmals ist das Ehrenamt des Feuerwehrchefs an eine Anstellung in der Stadtverwaltung gekoppelt. Wie sehen Ihre neuen beruflichen Aufgaben aus?
Baum Ich kümmere mich zum Beispiel um den vorbeugenden Brandschutz und die Brandschutzerziehung. Und ich werde den Sachbearbeiter im Ordnungsamt, Herr Beyer, unterstützen.
Sie sind verheiratet und dreifacher Vater. Was hat Ihre Familie zu Ihrer Entscheidung für den Feuerwehrjob gesagt?
Baum Wir haben lange drüber gesprochen. Denn es wird schon vorkommen, dass ich ganze Wochen abends nicht da bin wegen Terminen. Aber meine Familie steht voll dahinter. So ein Amt steht und fällt mit der Unterstützung der Familie.
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