Korschenbroich: Ein Stern schenkt Hoffnung
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008Korschenbroich (RPO). 90 Kinder aus ärmeren Familien Korschenbroichs werden heute unter dem Tannenbaum ein Päckchen finden. Wunschpaten haben es besorgt und liebevoll verpackt. Welche Geschenke sie sich erhoffen, hatten viele Kinder auf selbst gebastelte Sterne geschrieben.
Ein Stern hat für Kerstin Gebel eine ganz besondere Bedeutung. Er ist eine Art Geheimcode. Wann immer sie einen Stern sieht, weiß die Korschenbroicherin, dass sie nicht allein ist. Ihr Mann Andreas hat ihr mit einem Phosphorstern den Heiratsantrag gemacht. Die Botschaft: „Wenn du wach wirst, ist jemand da.“ Und auch zur Geburt ihrer ersten Tochter Anouk gab es einen Stern als Geschenk. „Der Stern steht für mich symbolisch für die Vergangenheit und die Zukunft“, sagt die 38-Jährige. Er ist ein Hoffnungsträger.
Deshalb war es für Kerstin Gebel, die Initiatorin der Aktion Weihnachtswunschbaum, auch sonnenklar, einen Stern zu ihrem Logo zu machen. Und obwohl die Familie gerade erst umgezogen ist, prangt am neuen Briefkasten schon der Sternensticker. So wissen die Spender gleich, dass sie hier richtig sind und die Weihnachtspäckchen für bedürftige Kinder abgeben können. Häufig hat es in den letzten Tagen an der Haustür der Gebels geklingelt. Nach und nach sind die Geschenke eingetrudelt, die Kerstin Gebel und ihr Team an die ärmeren Kinder in der Stadt verteilt haben.
Heute ist der erste Tag, an dem sie wieder durchatmen und entspannen kann. Wenn in anderen Familien der Weihnachtsstress los geht, ist sie wahrscheinlich die ausgeglichenste Mutter in ganz Korschenbroich. Denn ihre Aufgabe ist erfüllt: Insgesamt 1000 Päckchen haben die Mitglieder des Vereins Wunschwiese dann an fünf Standorten verteilt. „Ich bange bis zum Schluss, dass alles gut geht“, sagt sie. In diesem Jahr ist es nochmal richtig spannend geworden. Zwei Tage vor der letztmöglichen Geschenkeabgabe fehlten noch rund die Hälfte der Päckchen. Dabei hatten die Korschenbroicher Wunschpaten die Karten am Weihnachtswunschbaum im Rathaus in nur drei Tagen komplett abgegrast. „Auch alle Wunschkarten, die ich zwischendurch nachgehängt habe, waren innerhalb von ein paar Stunden wieder vergriffen“, erzählt Gebel. 90 Wünsche konnten auf diese Weise in Korschenbroich erfüllt werden – zehn mehr als im vergangenen Jahr. Und Gebel ist sich sicher, dass noch weit mehr möglich gewesen wäre: „Wir hätten doppelt so viele Wünsche erfüllen können.“ Einige Bürger seien schwer enttäuscht gewesen, dass für sie keine Karte mehr übrig war.
Anke Mettler hatte Glück. Sie konnte gleich zwei Kinderwünsche erfüllen. „Ich hab mir zwei Mädchen ausgesucht“, sagt die Mutter zweier Jungen. Malen nach Zahlen und einen Gutschein für Wintersachen hat sie gekauft. „Natürlich in rosa und mit viel Glitzer“, sagt sie und schmunzelt. Denn das vermisst sie manchmal bei den Wünschen ihrer beiden Jungs, Jakob und Anton. „Es hat viel Spaß gemacht“, sagt die Wunschpatin. Die Geschenke hat sie liebevoll eingepackt – wie für ihre eigenen Kinder.
Die Wünsche der Kinder waren sehr bescheiden, meint Kerstin Gebel. Ein Waffeleisen, ein Zoobesuch, eine Schreibtischlampe, eine Röhrenjeans oder eine Taucherbrille. Besonders gefreut hat sie sich darüber, wie viel Mühe sich manche Kinder bei der Gestaltung ihres Wunschzettels gegeben haben. Einige Kids haben Pappsterne ausgeschnitten, sie bunt bemalt und dann ihren Namen, ihr Alter und ihren Herzenswunsch darauf geschrieben.
In den ersten Jahren der Aktion Weihnachtswunschbaum – als diese noch nicht so groß war – hat Kerstin Gebel selbst aus silbernem Karton Sterne ausgeschnitten und mit den Wünschen beklebt. „Doch irgendwann ist das einfach zu viel Arbeit geworden.“ Seitdem gibt es die professionell gedruckten Wunschkarten. Die ursprünglichen Sterne vermisst die Organisatorin gleichwohl: „Sie haben am Baum einfach noch schöner gewirkt.“
Deshalb will sie im kommenden Jahr den Baum in Korschenbroich wieder mit selbst gebastelten Sternen bestücken. Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk ist an diesem Heiligen Abend der Gedanke, wieder viele Kinder glücklich gemacht zu haben. „Ich selbst wünsche mir nichts mehr“, erzählt sie. Und auch ihre Kinder Anouk und Amelie sind mit jeweils einem Geschenk von der ganzen Familie glücklich. „Das reicht völlig aus“, sagt Gebel. Ihr Sternenzauber hat sich wieder erfüllt: „Das schönste Geschenk sind die leuchtenden Augen der Kinder, wenn sie unter dem Weihnachtsbaum sitzen und ihr persönliches Geschenk finden.“
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