Korschenbroich: Gähnend leere Fanbusse
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 02.03.2009Korschenbroich (RPO). Der TV Korschenbroich bot seinen Anhängern zum "Heimspiel" in Krefeld einen besonderen Service: Linienbusse der NVV sollten das Publikum zur Halle bringen. Doch nur insgesamt 28 Fans nutzten die Mitfahrgelegenheit. Trotzdem sollen die Busse wieder eingesetzt werden.
Die weiteren Termine
Busse Auch zu den nächsten Heimspielen in Krefeld sollen Busse für die Fans eingesetzt werden.
Karten Um besser planen zu können, sollen dann Busscheine beim Kartenvorverkauf bestellt werden können.
Termine TVK –- Nordhemmern/Mindenerwald (21. März), TVK – TuS Ferndorf (9. April), TVK –- VfL Gladbeck (18. April), TVK – TSV GWD Minden II (2. Mai). Anwurf ist jeweils um 19.30 Uhr.
Marie-Louise Schotten staunte nur, als sie von Busfahrer Leonard Schumacher freundlichst in den Bus geleitet wurde. Wie toll der Bus doch ist. So schön groß. Und vor allem: So viel Platz.
Die Seniorin ist Fan des Handball-Regionalligisten TV Korschenbroich und wollte unbedingt zum "Heimspiel" des TVK nach Krefeld kommen. Das musste in der dortigen Glockenspitzhalle stattfinden, weil die heimische Waldsporthalle aufgrund eines Wasserschadens mindestens bis Saisonende noch gesperrt bleibt. Nur wie sollte sie in die Seidenstadt gelangen? Der TVK hatte mit der Stadt und Sponsor NVV AG die Lösung gefunden: Shuttlebusse sollten die Korschenbroicher in die Seidenstadt chauffieren. Ein Gelenkbus mit 59 Sitzplätzen fuhr zweimal hin und zurück, und ein Ersatzbus stand ebenfalls bereit. Falls der Ansturm auf die Plätze zu groß sein würde. Aber am Samstag hätten auch vier Großraumtaxix gereicht: Nur insgesamt 28 Korschenbroicher fuhren mit den Bussen die etwa 23 Kilometer nach Krefeld. Für den Notfall hätte sich jeder Passagier im Bus bequem hinlegen können – quasi eine Liegendanfahrt zum Heimspiel in der Fremde. "Ich fahre auch für einen einzigen Fan", sagte Busfahrer Leonard Schumacher.
Bei den Korschenbroicher Verantwortlichen löste die Zahl blankes Entsetzen aus. Heijo Hauser, Aufsichtsratschef des TVK, entglitten die Gesichtszüge, als er von der praktisch nicht vorhandenen Resonanz erfuhr: "Das verstehe ich nicht." Korschenbroichs stellvertretender Bürgermeister Hans-Willi Türks gab zu: "Ich bin überrascht und enttäuscht." Denn die Stadt finanziert die Busse gemeinsam mit der NVV AG für den Verein, um seinem Aushängeschild ein wenig in der unglücklichen Situation zu helfen. Das wird sie nach Einschätzung von Türks auch weiter tun. "Schade, dass die Busse kaum genutzt wurden", sagte Korschenbroichs Marketing-Manager Kai Faltin.
Dennoch war die Tribüne in der Glockenspitzhalle bei dem unattraktiven Gegner (Longericher SC, Korschenbroich gewann 32:29) mit 600 Zuschauern überraschend gut gefüllt. In der heimischen Waldsporthalle wären wohl auch nicht mehr Zuschauer da gewesen. Sicherlich auch, weil für die Spiele in Krefeld der Eintrittspreis etwa halbiert wurde. "Die meisten Zuschauer müssen also trotzdem mit dem Auto gekommen sein", folgert Aufsichtsrat Heijo Hauser.
Damit die Zuschauer auch bei den verbliebenen vier Heimspielen nach Krefeld kommen, soll der Bustransfer vom Korschenbroicher Matthias-Hoeren-Platz auch dann wieder stattfinden. Dann jedoch will der TVK Planungssicherheit haben: In Zukunft sollen sich Fahrgäste für den Bustransfer in der Geschäftsstelle oder der Vorverkaufsstelle des TV Korschenbroich anmelden müssen. Gegen einen geringen Geldbetrag sollen dann Busscheine verkauft werden, um so nicht wieder mit leeren Bussen nach Krefeld fahren zu müssen.
Der TVK hat seine Fans jedenfalls bitter nötig. Einerseits sportlich, denn die Partie gegen Longerich war das schlechteste Heimspiel dieser Saison. Andererseits auch wirtschaftlich, um den Etat für die Zweite Bundesliga sichern zu können, in dem die Eintrittsgelder eine wichtige Rolle spielen. Heijo Hauser und Geschäftsführer Peter Irmen bedankten sich per Mikrofon jedenfalls für jeden, der zur Ausweichspielstätte nach Krefeld gekommen war.
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