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Pesch: Gebet erlaubt, Kind abgemeldet

VON LESLIE BROOK UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 06.03.2009

Pesch (RPO). Ab Montag darf an der Pescher Grundschule wieder gebetet werden. Ministerin Sommer begrüßt den Kompromiss, Schule und Eltern sind erleichtert. Weil ein Elternpaar die Lösung nicht akzeptiert, meldete es sein Kind ab.

Hinter diesen Mauern haben Eltern, Schulleiter, Lehrerin und Vertreter des Ministeriums über zwei Stunden diskutiert, um zu einer Kompromisslösung zu kommen.   Foto: RPO
Hinter diesen Mauern haben Eltern, Schulleiter, Lehrerin und Vertreter des Ministeriums über zwei Stunden diskutiert, um zu einer Kompromisslösung zu kommen. Foto: RPO

Ab Montag darf an der Gemeinschaftsgrundschule in Pesch wieder das Schulgebet gesprochen werden. Diese Entscheidung gab gestern Schulministerin Barbara Sommer bekannt, nachdem am Montag die Vertreter aus dem Ministerium, der Bezirksregierung, der Schule und die Eltern der Schüler um einen Kompromiss gerungen hatten. Das Schulamt hatte es der Lehrerin einer zweiten Klasse verboten, morgens vor dem Unterricht den Bonhoeffer-Text "Von guten Mächten wunderbar geborgen" zu sprechen. Dieses Verbot ist nun aufgehoben. Kindern, die an dem Gebet nicht teilnehmen wollen, soll es nach dem Kompromiss erlaubt sein, sich ruhig mit anderen Dingen zu beschäftigen.

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Zwei Minister

Lutz Lienenkämper Der neue Verkehrsminister hatte sich bei Sommer stark gemacht, das Gebetsverbot wieder aufzuheben.

Barbara Sommer Die Schulministerin reagierte schnell und zog das Verbot zurück; bis zum Gespräch vergingen jedoch acht Wochen.

Die Eltern des Kindes reagierten auf die Entscheidung der Ministerin und meldeten gestern ihr Kind von der Grundschule ab. Ab Montag soll es eine andere Schule besuchen. "Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gelungen ist, eine Klärung herbeizuführen", sagte Schulministerin Barbara Sommer. "Auch in Gemeinschaftsschulen sollen die Schüler auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte unterrichtet und erzogen werden. Deswegen war es für mich nicht akzeptabel, dass wegen einer Einzelmeinung ein Schulgebet nicht mehr möglich sein sollte."

Das Ziel des Gesprächs am Montagabend war, eine Lösung zu finden, der sich alle anschließen können. "Auch wir bedauern sehr, dass die einseitig bis zum Schluss nicht vorhandene Bereitschaft für einen Kompromiss in der Konsequenz dazu geführt hat, dass die Eltern sich veranlasst sehen, ihr Kind aus dem Klassenverband zu entfernen und in einer anderen Grundschule anzumelden", sagte Elternsprecher Andreas Weerth. Dabei hatte sich bei dem mehr als zweistündigen Gespräch zunächst ein Kompromiss abgezeichnet, den alle Beteiligten würden tragen können. Im Anschluss hatte Weerth gesagt: "Wir sind hoffnungsfroh, eine tragbare Lösung gefunden zu haben." Die Eltern einigten sich darauf, die "Kompromisslösung" noch einmal zu überdenken, dies berichtete ein Ministeriumssprecher. Nach der Bedenkzeit entschieden sich die Eltern des Kindes, die das Schulgebet nicht befürworten, diese Lösung nicht mitzutragen.

Regionaldekan Ulrich Clancett befürwortet hingegen die Lösung. "Dem Schulgebet ist eine Wertigkeit zugesprochen worden. Es geht nicht darum zu missionieren, sondern weit über den christlichen Horizont hinaus Bildung zu vermitteln." Und er bedauert die Entscheidung der Eltern, ihr Kind von der Schule abzumelden. "Ich bin nicht sicher, ob die Eltern dem Kind damit gerecht werden. Sie verhindern eine plurale Bildung, die ohne Zwang angeboten wird."

Bei Schulleiter Wolfgang Grüe machte sich gestern Erleichterung breit. "Diese Sache hat uns betroffen gemacht und ich bin froh, dass es vorbei ist", sagt er. "Dass die Eltern entschieden haben, den Kompromiss nicht anzunehmen, ist ihre Sache." Auch Bürgermeister Heinz Josef Dick lobte den Kompromiss: "Er ist eine gute Möglichkeit, die Situation zu entkrampfen. Der Kompromiss baut nach allen Seiten Brücken. Wenn jemand das nicht annimmt, muss man es akzeptieren."

Quelle: RP

 
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