Korschenbroich: Hauptschule: "Ein Affront"
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010Korschenbroich (RPO). Die Idee, Korschenbroichs Hauptschüler in die Realschule umzusiedeln, lehnt Hauptschulleiter Dieter Roland strikt ab. Die Schule brauche auch mit weniger Schülern ihr eigenes Gebäude. Der Sparvorschlag der Aktiven sei Unsinn.
Die Schulen in Zahlen
Hauptschule Die Hauptschule hat in diesem Jahr 260 Schüler, die von 19 Lehrern unterrichtet werden. Für das Schuljahr 2014/15 prognostiziert der Schulentwicklungsplan der Stadt nur noch 158 Schüler.
Realschule Die städtische Realschule hat im laufenden Schuljahr 2009/2010 annähernd 660 Schüler. Für das Schuljahr 2014/15 prognostiziert der Schulentwicklungsplan der Stadt nur noch 525 Schüler.
Etwas passiver wäre die Wählergemeinschaft "Die Aktive" Hauptschulleiter Dieter Roland wohl lieber gewesen. Die Aktiven möchten die Stadtverwaltung prüfen lassen, ob ein Umzug der Hauptschüler in Räume der Kleinenbroicher Realschule möglich ist und Geld spart. "Davon halte ich überhaupt nichts", sagt Roland, "so ein Vorschlag kommt ausgerechnet eine Woche vor den Anmeldeterminen fürs neue Schuljahr. Das Kollegium empfindet das als einen Affront." Die Idee zeugt nach Ansicht des Schulleiters von Ahnungslosigkeit. Auch wenn die Hauptschule in einigen Jahren weniger Schüler habe, brauche sie die Räume in ihrem eigenen Gebäude – unter anderem, um eine Über-Mittag-Betreuung und ab dem kommenden Schuljahr erstmals auch integrativen Unterricht mit lernbehinderten Schülern anbieten zu können.
Die Wählergemeinschaft will herausfinden, ob sich mit einem Umzug der Hauptschüler ab dem Schuljahr 2013/14 angesichts der desolaten Finanzlage der Stadt Geld sparen lassen. Sie argumentiert: In fünf Jahren werden sowohl Real- als auch Hauptschule deutlich weniger Schüler haben, so dass im Gebäude der Realschule eigentlich Raum genug für beide Schulformen sein könnte.
Dem widerspricht Roland vehement: "Wir wachsen gerade erst in unseren Raumbedarf hinein. Bisher waren wir überbelegt." Auch mit weniger Schülern brauche die Schule genügend Räume, um eine Betreuung über Mittag und die nötige Differenzierung von Fächern in den Klassen sieben bis neun anbieten zu können. Ab dem nächsten Schuljahr werde zudem erstmals ein spezieller Unterricht für Jungen und Mädchen mit Lernbehinderten angeboten, bei dem ein Sonderpädagoge häufig gemeinsam mit dem Lehrer unterrichte. Die Schüler sollen aus Korschenbroich womöglich auch aus Kaarst kommen.
Skeptisch äußert sich auch Realschulleiterin Dr. Martina Bartels-Walther. Einem Einzug von Hauptschülern stünden zwei pädagogische Konzepte der Realschule entgegen: In der Realschule wandern nicht die Lehrer von Klassenraum zu Klassenraum zur nächsten Stunde. Vielmehr hat jeder Lehrer einen eigenen, von ihm gestalteten Raum, in den die Schüler kommen. Ein Vorteil: Die Klassenzimmer seien gepflegter, sagt die Schulleiterin. Außerdem dauert eine Schulstunde in der Realschule 67,5 Minuten. Auch diesem Rhythmus müssten sich die Hauptschüler also anpassen, sagt Bartels-Walther. Sie ist überzeugt: "Jeden Raum, den ich zur Verfügung habe, brauche ich auch – selbst wenn die Schülerzahlen sinken."
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