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Korschenbroich: Hevelings härteste Woche

VON ANDREAS BUCHBAUER UND WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012

Korschenbroich (RP). Auf den Korschenbroicher CDU-Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling ist in den vergangenen Tagen viel Kritik eingeprasselt. Der 39-Jährige hofft, dass nach seinem umstrittenen Netzkultur-Text eine sachliche Debatte einsetzt.

Rhein-Kreis Ansgar Heveling ist froh, dass die Woche vorbei ist. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Korschenbroich macht kein Hehl daraus, dass es die vergangenen Tage in sich hatten. "Es ist sehr viel auf mich eingeprasselt. Das habe ich so in meiner Zeit als Abgeordneter noch nicht erlebt", sagt Heveling. Es ist gestern Mittag, und der 39-Jährige zieht Bilanz. Viel ist über ihn in dieser Woche geschrieben worden, vielleicht so viel wie noch nie in einer Woche. Mit einem Gastkommentar im "Handelsblatt" hatte Heveling eine kritische Auseinandersetzung zum Thema Netzkultur und Bürgerrechte in Gang setzen wollen. Dafür hatte er martialische Worte gewählt.

Der Vorstand der Jungen Union (JU) im Rhein-Kreis unter Leitung von Florian Merker (19) nannte Hevelings Beitrag einen "Schuss in den Ofen". Und damit stand Vorsitzender Merker auf einmal selbst in der Schusslinie. In E-Mails, die er in dieser Woche aus dem Rhein-Kreis erhielt, wurde ihm vorgeworfen, die Diskussion angeheizt und Hevelings Ruf beschädigt zu haben – dies sei niveaulos und "in höchstem Maße illoyal", heißt es in den Briefen, die unserer Zeitung vorliegen.

Florian Merker bleibt jedoch bei der Linie des geschäftsführenden JU-Vorstandes: "Wir sind uns einig darin, dass wir in der Pflicht standen, zu reagieren. Ansgar Hevelings Text war in seiner Art und Weise suboptimal und vertritt nicht die Linie der Jungen Union." Der 19-Jährige macht darauf aufmerksam, dass er jedoch nicht nur Kritik erhalten habe: "Es gab auch große Zustimmung – auch aus dem Kreis und darüber hinaus."

Für viele war Ansgar Hevelings Wortwahl zu martialisch. Von "digitalen Horden", "Schlachtennebel" und "ruinenhaften Stümpfen unserer Gesellschaft" war die Rede. Teilen der von ihm angegriffenen, jedoch nicht näher definierten "Netzgemeinde" reichte das, um zum Gegenangriff zu blasen: Hevelings Internetseite wurde gehackt, der Politiker mit Spott überschüttet und zum "Troll" erklärt. So werden im Internet-Slang vor allem Personen bezeichnet, die mit Äußerungen provozieren. "Ich habe meinen Text bewusst provokant formuliert", sagt Heveling. "Mir war klar, dass es Kritik geben würde." Doch das Echo kam brachial zurück.

Das Ausmaß der Kritik hat auch Heveling überrascht. "So heftig hatte ich es nicht erwartet", räumt er ein. Es war ein Sturm, der über den Christdemokraten hinwegzog, er hat ihn einmal kräftig durchgeschüttelt, noch ist er nicht ganz abgeklungen. Aber die Intensität lässt nach. "Wenn am Ende der Weg für die nötige sachliche Diskussion frei ist, habe ich mein Ziel erreicht", sagt Heveling.

Auch Parteifreunde gingen ihn nach seinem Netzkultur-Text harsch an. Ansgar Heveling lässt keinen Zweifel daran, dass er der Kritik standhält. "Es gibt Dinge, die mich als Abgeordneten innerlich sehr viel mehr beschäftigt haben", sagt er. "Zum Beispiel die Frage der Verlängerung des Afghanistan-Mandats."

Quelle: RP


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