Korschenbroich: Ihr Kinderlein kommet
VON ANGELA WILMS-ADRIANS - zuletzt aktualisiert: 24.12.2007Korschenbroich (RPO). Vier Kinder, 14 Enkel, drei Urenkel, dazu Freunde, Freundinnen und Ehepartner – zu Weihnachten ist das Haus von Christel Böttges immer randvoll. Die Großfamilie strömt zusammen, um Traditionen und den Zusammenhalt zu pflegen. Anders zu feiern, kann sich keiner aus dem Kreise vorstellen.
Christel Böttges freut sich doppelt auf die Festtage, weil sie nicht nur Weihnachten feiert, sondern wie alle Jahre wieder auch ein großes Wiedersehen. Die 85-Jährige sagt mit seligem Lächeln: „Weihnachten ist ein schönes Fest für die Familie. Da sehen wir uns alle.“ Dann vereinen sich die vier Kinder, 14 Enkel und drei Urenkel bei ihr unter dem Tannenbaum im „Stammhaus“ an der Rheydter Straße.
Tochter Renate Segbert hat schon sämtliche Gästezimmer für die „Auswärtigen“ hergerichtet, die nicht mehr in Korschenbroich wohnen. „Wenn die Betten nicht reichen, müssen eben noch Matratzen her“, sagt die vierfache Mutter lachend.
Schließlich bringt ein jeder seinen Anhang mit: die Kinder die Ehepartner und die Enkel den Freund oder die Freundin, denn „Weihnachten lässt man doch keinen zuhause sitzen.“ Für alle ist das große Familientreffen das Normalste auf der Welt. Für ungeübte Freunde kann es allerdings „eine Feuerprobe bedeuten, so geballt in eine Familie zu kommen“, sagt Renate Segbert mit schmunzelnder Miene. Doch bisher hat noch jeder Neuling die Belastungsprobe bestens überstanden.
Für die fünfzehnjährige Tochter Ellen ist jedes Weihnachten in der großen Familie, „etwas ganz Besonderes, weil wir uns dann alle sehen“. David, mit zehn Jahren der jüngste der vier Segbert-Kinder, findet das alles ganz „normal“, kennt aber trotz Nachdenkens im näheren Umkreis keine Familie, bei der so viele aus verschiedenen Generationen zusammen feiern. In dieser Fülle sind die Familientreffen sonst nur noch zum Korschenbroicher Pfingstfest und zu runden Geburtstagen möglich.
Die Menueabfolge unterliegt der Familientradition. „Am zweiten Weihnachtstag gibt es Hirschbraten mit allem drum und dran“, steht für Christel Böttges fest. Der große Tannenbaum ist mit Silberkugeln, Lametta und Bienenwachskerzen geschmückt. Renate Segbert, die gegenüber wohnt und inzwischen für die Logistik verantwortlich ist, blickt dem Arbeitsaufwand gelassen entgegen: „Wenn alle zusammen sind, packen auch alle an.“
Gefeiert wird nach einer festen Abfolge. Zur Begrüßung wird Sekt gereicht, bis das Essen „aus tausenden von Töpfen aufgetragen ist“. Es gibt ein verschlossenes Zimmer. Und erst dann, wenn alles gespült und in Ordnung ist, darf einer zum Kerzenanzünden hinein und gibt mit einem Glöckchen das Signal. Beim Einzug wird gesungen, und die Kinder kucken erfahrungsgemäß vorsichtig, ob sie schon etwas erkennen. Denn „das kann dauern“, sagt David, weil er weiß, dass eine so große Familie auch viele Lieder kennt. Erst wenn Oma Christel Böttges das Zeichen gibt, dürfen die Geschenke ausgepackt werden.
Wer in dem ganzen Trubel eine Auszeit braucht, findet sie in dem großen Haus von Christel Böttges. Die Kinder genießen es auch, wenn sie ihre neuen Spiele gleich mit vielen Leuten ausprobieren können. Dann wird bis tief in die Nacht gefeiert, da ja alle an Ort und Stelle schlafen. „Weihnachten nicht zu Hause – das kann ich mir nicht vorstellen,“ sagt Renate Segbert. „Das war in der Generation vor uns so und das wird sicher auch in der nächsten Generation so sein“.
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