Korschenbroich: Initiative will Heimpläne stoppen
VON RUTH WIEDNER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Korschenbroich (RP). Der geplante Bau eines Altenpflegeheims in Korschenbroich – zwischen Bahn und L 381 – ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. In mehr als 50 Geschäften liegen Unterschriftenlisten aus.
Jetzt will die Bürger-Initiative die Entscheidung aufschieben und alle Parteien an einen Tisch holen. Reinhard Beumers und Friedel Herten fühlen sich in ihrer Einstellung bestätigt: "Zwischen die Bahn und die Landesstraße 381 gehört kein Altenpflegeheim." Und so hat sich aus einer Hand voll Kritiker binnen weniger Tage eine stattliche Bürger-Initiative formiert. "Wir sind schon 25 Personen", sagt Reinhard Beumers.
Und was Friedel Herten dabei besonders freut: "Das sind alles engagierte Menschen mit Kernkompetenz." Die Gruppe fordert jetzt ein Moratorium, einen zeitlichen Aufschub. Ziel ist es, die politischen Entscheidungsträger und die Bürger zu erneuten Beratungen an einen Tisch zu holen.
Moratorium
Bedeutung Ein Moratorium ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu unterlassen oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen.
Unterbrechung Es bezeichnet insbesondere bei strittigen Projekten wie zum Beispiel Flughafenbau, Flussbegradigungen, AKW-Laufzeiten eine Unterbrechung der Arbeiten mit dem Ziel, durch Verhandlungen einen Kompromiss zu finden.
Pflegebedürftige Menschen
Friedel Herten, er war selbst über viele Jahre hinweg politisch aktiv, sagt: "Wir sind nicht gegen ein Altenpflegeheim. Wir sind aber gegen das dafür vorgesehene Gelände." Und so hält er der Politik vor, bei der Beschlussfassung lediglich bauliche und finanzielle Aspekte berücksichtigt zu haben. "Hier wurde das Wohl der alten und pflegebedürftigen Bürger unserer Stadt, die auf Wohnen mit stationärer Pflege angewiesen sind beziehungsweise sein werden, völlig vergessen", kritisiert Friedel Herten.
Und Reinhard Beumers ergänzt: "Die Standortwahl zwischen Bahn- und Straßenverkehr mit 24 Stunden Dauerlärm, ist weder angemessenen noch akzeptabel." Er gibt zu bedenken, dass besonders Menschen im Alter – mit eingeschränkter Mobilität, psychischen und physischen Beeinträchtigungen auf angemessenen Wohn- und Lebensraum angewiesen seien. Die beiden sind sich einig: "Soziale Aspekte wurden beim Entscheidungsprozess nicht berücksichtigt."
Warum wurde der Kreissozialausschuss nicht gehört, der für die Versorgungssicherheit im Alter und bei Pflege verantwortlich ist? Was ist mit dem Bedarf? Wie wirkt sich Dauerlärm auf das Wohlbefinden der älteren Menschen aus? Diese und andere Fragen will die Bürger-Initiative im Rahmen einer Informationsveranstaltung von der Politik beantwortet wissen. In dem Rundbrief heißt es: "Diese sozialen Aspekte eines Gemeinwesens dürfen aus keiner Kommunalpolitik ausgeschlossen werden. Es gilt, sich diesen Fragen verantwortungsbewusst zu stellen.
Verantwortung bedeutet auch, sich einzugestehen, wichtige Aspekte bei der Entscheidungsfindung außer Acht gelassen zu haben." Damit sich Politik und Verwaltung den neuen Aspekten nicht verschließen und "blind an einer Entscheidung festhält", sammelt die Initiative weiter Unterschriften. "Die Listen liegen mittlerweile in mehr als 50 Geschäften aus", stellt Beumers fest. "Wir sehen uns in der Pflicht, für die Interessen pflegebedürftiger Mitbürger einzutreten." Dieses Bekenntnis verbindet er mit der Hoffnung auf einen "gemeinsamen Dialog".
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



