Korschenbroich: Lokalpatriotismus gegen ECE
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 19.10.2007Korschenbroich (RPO). Während auf Mönchengladbacher Seite das riesige ECE-Einkaufszentrum immer deutlicher Gestalt annimmt, leistet die Stadt Korschenbroich Widerstand. Der Einzelhandel im Ortskern glaubt trotz Verlusten bestehen zu können.
Das ECE-Projekt
Firma Der Hamburger Immobilienriese und Projektentwickler ist Marktführer auf dem Gebiet innerstädtischer Shopping-Center. Bisher wurden Projekte für zehn Milliarden Euro realisiert. Die Kommandit-Gesellschaft ist derzeit in 15 europäischen Ländern aktiv.
Projekt Das Einkaufszentrum in der Mönchengladbacher Innenstadt wird sich um C & A und Theatergalerie über rund 25 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erstrecken. Für die Verkehrsführung wird sogar ein Tunnel gebaut.
Dr. Peter Achten schnauft. „Neun Prozent Umsatzeinbuße in Korschenbroich durch ECE. Puh. – Das ist eine Menge“, sagt der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands. Und auch dem Handel im Korschenbroicher Ortskern werden die Knie weich. „Wir können mit Konkurrenz ja umgehen“, beginnt der Vorsitzende der Citygemeinschaft, Christoph Kamper. Dann kommt er ins Grübeln: „Aber bei über 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es in dem neuen Einkaufszentrum natürlich alles in Hülle und Fülle . . .“ Im Interesse der Geschäftsleute hat sich die Stadt Korschenbroich jetzt offiziell über den negativen Effekt des ECE-Centers beklagt.
Kräftige Umsatzeinbuße
Ein Gutachten zu den Auswirkungen des Centers aufs Umland beweist: Zwei Sortimente in Korschenbroich geraten erheblich unter Druck. Erstens Bekleidung, Schuhe und Lederwaren; zweitens Bücher, Schreib- und Spielwaren. Auf bis zu neun Prozent schätzen die Gutachter die Umsatzeinbuße. Zum Vergleich: Bei allen übrigen Sortimenten werden Verluste im Bereich zwischen drei und sechs Prozent erwartet.
„Die neun Prozent bedeuten eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung“, betont der Korschenbroicher Planungsamtsleiter Dieter Hoffmans. Nach der Devise „wehret den Anfängen“ hat die Stadt ihre kritische Stellungnahme zum Bauverfahren abgegeben. Mit ihrem Widerstand steht die Stadt nicht alleine da. „Alle Umlandkommunen haben zur Größe von ECE deutliche Worte gefunden“, teilt Einzelhandels-Chef Peter Achten mit.
In Matthias Ulrichs Brust schlagen zwei Herzen. Denn seinem Arbeitgeber, der Ziag Immobilien AG, gehört nicht nur die Theater-Galerie in Mönchengladbach, an die der neue ECE-Komplex andocken wird. Zum Portfolio gehört auch das Hannen-Center in Korschenbroich. Ulrich glaubt trotz der Gladbacher Konkurrenz, dass der Korschenbroicher Ortskern überleben wird. „Stark in der Nahversorgung sein und dazu das eine oder andere Fachgeschäft – diese Mischung wird weiter funktionieren“, sagt er. Vermutlich würden die Korschenbroicher zum Einkaufen einfach nur häufiger nach Mönchengladbach als nach Düsseldorf fahren.
Christoph Kamper sieht trotz der Gefahr auch die Chance, die Lücken eines Einkaufszentrums voller Handelsketten zu nutzen. „Wir müssen deren Schwächen erkennen, unsere Sortimente darauf einstellen und noch stärker auf Kundenwünsche eingehen“, erklärt er.
Peter Achten sieht Korschenbroich in einer guten Abwehrposition. „Der Einzelhandel ist auf einem richtigen Weg. Die Werbegemeinschaften müssen weiter kooperieren und ihre Kunden emotional an die Geschäfte vor Ort binden.“ Er fügt den Appell hinzu: „Die Korschenbroicher müssen Lokalpatriotismus an den Tag legen.“
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