Korschenbroich: Mehr Geld für weniger Weizen
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010Korschenbroich (RPO). Gut zehn Prozent weniger Korn und oft geringere Qualität – die Weizenernte war für die Bauern in der Region nicht die üppigste. Trostpflaster: Weil der Preis gestiegen ist, bekommen die Landwirte mehr für ihr Getreide.
Bauern in Zahlen
Betriebe Im Rhein-Kreis Neuss und Mönchengladbach gibt es etwa 700 bäuerliche Betriebe, viele davon sind Vollerwerbsunternehmen.
Durchschnittliche Größe Die Betriebsfläche liegt im Schnitt bei 40 bis 50 Hektar Land.
Schwerpunkte Von den 700 Betrieben sind etwa 80 Milchviehhalter, annähernd 40 Schweinemäster und gut 500 widmen sich schwerpunktmäßig dem Ackerbau. Aber viele Viehhalter betreiben nebenbei Ackerbau.
KORSCHENBROICH/JÜCHEN Ein kräftiger Regenguss am Morgen – und Wolfgang Wappenschmidt hatte Zeit für Reparaturarbeiten auf seinem Hof. Der Acker des Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach war gestern durchweicht. "Nicht befahrbar", befand der Glehner.
Dabei hätten die Landwirte in der Region derzeit einiges auf dem Feld zu tun, sofern sie denn Raps anbauen wollten oder noch Getreidestoppeln zu beackern hätten. Die nasse Witterung brachte dieses Geschäft erst mal ins Stocken. Immerhin: Die Weizenernte ist in der Region nun so gut wie abgeschlossen. Mit 16 bis 19 Euro pro Doppelzentner können die Bauern für das Korn gut sechs Euro mehr erlösen als noch vor kurzem.
Der aktuelle Weizenpreis ist nach Einschätzung Wappenschmidts halbwegs kostendeckend. Für den Anstieg hat unter anderem gesorgt, dass die Ukraine und das von Waldbränden geplagte Russland wohl keinen Weizen exportieren werden. Allerdings muss der höhere Preis auch ein Missverhältnis kompensieren: "In diesem Jahr haben wir deutlich mehr Futterweizen als Brotweizen", sagt Wappenschmidt. Will heißen: Die Regenperiode nach langanhaltender Trockenheit haben dazu geführt, dass der größere Teil des Weizenertrages in der Region wegen minderer Qualität nur für die Tierfutterproduktion geeignet ist. Zu besseren Preisen können die Bauern nur den geringeren Teil der Ernte an Brotproduzenten verkaufen.
Insgesamt, schätzt Wappenschmidt, werden die Bauern hier etwa zehn Prozent weniger Weizen einfahren als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Die Einbuße kann allerdings von Betrieb zu Betrieb variieren, denn der Ertrag ist unter anderem abhängig von der Bodenqualität einer Parzelle, von der dort angepflanzten Weizensorte und von der Frucht, die der Bauer zuvor dort angebaut hat.
Bei den Kartoffelproduzenten ist die Lage noch buntscheckiger. Landwirte, welche in der Trockenperiode die Knollen künstlich beregnen konnten, sind mit einem blauen Auge davongekommen. Doch wer nicht per Brunnen das Grundwasser anzapfen und aufs Feld rieseln lassen konnte, dessen Knollen sehen nun nicht allzu vielversprechend aus. Bekommt ein Kartoffelstrauch nach längerer Trockenheit wieder Wasser, so Wappenschmidt, schwellen die Knollen nicht munter weiter. Vielmehr sprießen neue kleine Knollen. Die missliche Folge: An ein und demselben Strauch gedeihen gleichzeitig reife und unreife Kartoffeln.
Bis es an die Rüben geht, wird es noch eine Weile dauern. "In diesem Jahr geht die Kampagne wohl eine Woche später los, also Mitte September", schätzt Wolfgang Wappenschmidt. Auf eine Ertragsprognose will sich der Kreisbauernvorsitzende nicht festlegen: "Das müssen wir abwarten."
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