Korschenbroich: Naturschützer: Im Westen nicht neu bauen
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009Korschenbroich (RPO). Platz für 480 Wohnungen und gut 1000 Bürger – die Vision eines neuen Baugebiets im Korschenbroicher Westen entzückt den Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) nicht. Er kritisiert die Pläne, die von den Korschenbroicher Politikern bislang einmütig quer durch alle Fraktionen befürwortet werden. Das geplante Baugebiet Korschenbroich-West, so BUND-Vertreter Gerd Sack führe dazu, dass weitere Flächen durch Straßen und Bebauung versiegelt würden. Das sei unnötig, da die Stadt stattdessen in Kleinenbroich neben dem Haus Tabita und in der Nähe der Dreifachturnhalle andere Flächen für ein Wohngebiet nutzen könne. Flächen, die bislang für Gewerbeansiedlung gedacht seien, mithin nicht die Bodenversiegelungs-Bilanz verschlechtern würden. "Die Stadt hat mehr als fünf Jahre lang versucht, diese Flächen loszuwerden, aber da will keiner hin", sagt Sack, "es macht doch keinen Sinn, zehn oder 20 Jahre darauf zu warten, dass Gewerbe kommt."
Nachholbedarf in Korschenbroich
Einwände, die Dieter Hoffmanns, Leiter des städtischen Fachbereichs für Stadtplanung und Bauordnung, nicht überzeugen. "Die Nachfrage von Bauwilligen ist für Korschenbroich größer als für Kleinenbroich. Mit dem Eickerender Feld haben wir in Kleinenbroich gerade ein Gebiet fertig gestellt. Der Bedarf ist dort also erst einmal gedeckt. Korschenbroich hat dagegen Nachholbedarf", sagt Hoffmanns. Die Stadt wolle beides: das Neubaugebiet Korschenbroich-West und Gewerbeansiedlung in Kleinenbroich.
Das geplante Gebiet Korschenbroich-West grenze im Westen an den Niersgrünzug, und "grüne Zähne" sollen auch in das Wohngebiet hineingezogen werden. Dass, wie der BUND reklamiert, bei den Plänen die in dem Gebiet lebenden Vogelarten nicht genügend berücksichtigt und geschützt würden, sieht Hoffmanns auch nicht so. Nach Erkenntnissen der Korschenbroicher Vogelschutzgruppe halten sich Mäusebussard, Feldlerche, Kiebitz und Hohltaube in dem Areal auf, moniert der BUND. Er fürchtet: Das Hauptnahrungsgebiet der Tiere würde vernichtet.
Der Niersgrünzug bietet Raum
Wenn für das Projekt der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan erstellt werde, müssten auch die Folgen für jede dort vorkommende Tierart abgewogen werden, sagt Hoffmanns, "und zwar ergebnisoffen". Kippen würde ein Projekt, wenn für eine bedrohte Art keine Ersatz-Lebenszone in der Nähe wäre. Das hält Hoffmanns allerdings für unwahrscheinlich: "Nach unseren bisherigen Erfahrungen gibt es im Raum Korschenbroich keine Tierarten, auf denen diese Kriterien zutreffen." Außerdem biete der nahe Niersgrünzug Vögeln Aufenthaltsraum.
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