Korschenbroich: Pferdeskelette als Zeugen der Vergangenheit
VON KARIN VERHOEVEN - zuletzt aktualisiert: 11.09.2006Korschenbroich (RPO). OTZENRATH Ein Pferdeskelett liegt in der Grube. Nein, es sind sogar zwei, eine Stute und ihr Fohlen. „Ein Fund aus dem 17. Jahrhundert – und damit die Stute in den Graben passte, hatte man ihr die Beine brechen müssen,“ erklärt Archäologe Josef Franzen. Noch ein weiteres Pferdeskelett aus dem Hochmittelalter gibt es auf dem Grundstück des imposanten Otzenrather Leuffenhofes, der einst dem adeligen Damenstift Maria im Kapitol gehörte und „Kapitelshof“ hieß.
Josef Franzen und sein Bruder Denis sind die technischen Leiter bei den Grabungen im Bereich der Hofanlage, die gestern besichtigt werden konnte. Klar, dass auch der harte Kern des Geschichtskreis Otzenrath mit ihrem Initiator Gert Behr und dem Historiker Dr. Peter Staatz den Tag des Offenen Denkmals zum Anlass nahm, nicht nur die Skelette zu sehen, sondern vor Ort möglichst viel über ihre ursprüngliche Heimat zu erfahren, die bald abgebaggert wird. „Im Juli haben wir die Grabungen unter-brochen, erklärt Frenzen. Man hätte nicht noch mehr in die Tiefe gehen konnte wegen Verzögerung der bis November anstehenden Abbrucharbeiten und außerdem: „Wir haben die Grabungen limitiert und werden später direkt an der Abbruchkante die Dramatik noch besser dokumentieren können.“
Zum Glück hatte Archäologe Denis Frenzen bereits sehr eindrucks-volle Aufnahmen aus luftiger Höhe vom Kran aus gemacht. Dann kam der schlimme Regen und etliche Profile wurden ausgewaschen. Beide Archäologen und auch Teammitarbeitern wie die Studentin Sabine Zimmer und der Grabungsexperte Franz-Josef Jansen meinen: „Alte Brunnen und Kloaken sind für uns richtige Schatzkammern – den ältesten Brunnen werden wir erst beim Abbaggern genau untersuchen können.“ Denn wenn diese nicht mehr in Aktion seien, hätten sie meist als Müllgrube oder Deponie Verwendung gefunden. Auch seien zuvor beim Wasserschöpfen auch schon mal Gefäße und Gegenstände hinein gefallen. Josef Frenzen erklärt: „Durch die Erbauung des Herrenhauses Leuffen auf dem Gelände des ehemaligen Kapitelshofes ist aus archäologischer Sicht etliches zerstört worden.“ Dr. Udo Geilenbrügge vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege ist sicher, dass mit dem Braunkohlenbagger die Vergangenheit Otzenraths zutage gefördert wird.
Zum Tag des offenen Denkmals waren auch historische Gebäude in Korschenbroich geöffnet.
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