Korschenbroich: Sauberkeit auf dem Prüfstand
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 21.09.2006Korschenbroich (RPO). Muss sich Korschenbroich an liederliche Ecken gewöhnen? Der Stadtpflege fehlen wegen leerer Kassen zwei Arbeiter, ohne die der Standard angeblich nicht zu halten ist. Die Politik ist skeptisch, ob sie Geld ausgeben will.
Personalrat der Stadt
Vorsitzender Wolfgang Schmitz.
Forderung „Tarifabschlüsse dürfen nicht dazu führen, dass Aufgaben nicht erledigt werden können. Der Personalrat pocht darauf, dass die zwei fehlenden Arbeiter im nächsten Jahr wieder eingestellt werden“, sagte Schmitz im Betriebsausschuss.
Georg Onkelbach steht mit dem Rücken zur Wand, doch allein fühlt sich der Leiter des Stadtpflegebetriebs dort nicht. Denn rechts und links sieht er alle Ratsmitglieder aufgereiht. Zusammen stehen sie vor der Entscheidung, wie sauber Korschenbroich in Zukunft noch sein soll. Onkelbach mahnt an, dass er unbedingt zwei neue Arbeiter braucht, um den vom Rat gewünschten Pflegestandard noch halten zu können. Die Politik muss nun endgültig einen Entschluss fassen: Entweder das Haushaltsloch noch weiter aufreißen oder den Bürgern ein struppigeres Stadtbild zumuten.
Wo reduzieren? Keine Ahnung
Im Betriebsausschuss ist noch kein klares Meinungsbild entstanden. Mit dem Bällezuwerfen dagegen haben beide Seite schon begonnen. Onkelbach sagte gestern: „Wir betreiben schon den geringstmöglichen Pflegeaufwand. Ich habe keine Ahnung, wo noch reduziert werden soll.“ Genau diese Ahnung aber verlangen ihm die Grünen ab. „Es hat keinen Zweck, Vorgaben zu machen. Onkelbach soll selber entscheiden, was geht“, sagte Wolfgang Houben, Fraktionsvorsitzender der Grünen.
Houben nannte zumindest eine Vorliebe: dafür, den Pflegestandard zu senken und nicht dass Budget von 2,5 Millionen Euro zu erhöhen. Sprich: seltener Gras Mähen oder Blumenbeete schlechter versorgen zum Beispiel. Und Houben schreibt CDU und SPD ins Stammbuch, sie dürften nicht länger einknicken, sobald sich Bürger über liederliche Ecken beschwerten. „Die, die es ,verbockt’ haben, und da schließe ich mich ein, müssen es dann aushalten“, sagte Houben.
Kein Problem für Hans-Willi Türks (CDU), wie er gestern betonte. Zwar sei seine Entscheidung und die der Fraktion noch nicht gefallen, aber wie auch immer: stehen will er dazu felsenfest. Statt vor dem Bürgerzorn einzuknicken, ruft er Vereine und Verbände lieber dazu auf, selber Verantwortung zu übernehmen für Grünflächen, die ihnen wichtig seien. Als Vorbilder nennt er Schützen und Dorfgemeinschaft in Pesch, die den Friedhof pflegen.
Unter drei Lasten ächzt der Stadtpflegebetrieb: gestiegene Spritkosten, höhere Gebühren für die Mülldeponie des Kreises Neuss. Und einen neuen Tarifabschluss, demzufolge Wochenendarbeit jetzt viermal besser vergütet wird als vorher. Allein dieser Posten macht jährlich an die 20 000 Euro aus. Um wenigstens noch 2006 schwarze Zahlen zu schreiben, ließ Onkelbach eine freie Stelle unbesetzt und verzichtete auf eine Krankheitsvertretung. Die vom Rat anerkannte Minimalbesetzung von 33 Arbeitern (bei der Betriebsgründung 1998 waren es noch 44) ist damit um zwei unterschritten.
Onkelbach wünschte sich deshalb, der Rat würde in den Haushaltsberatungen eine Erhöhung des Budgets beschließen. „Aber das wird, denke ich, nicht passieren.“ Schicksalsergeben fügt er hinzu: „Wir sind offen für alles. Wenn die Politik meint, die Standards sollen runter, dann machen wir das. Dann können wir auch Personal reduzieren durch natürliche Fluktuation.“
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