Korschenbroich: Sport: Hilfe zur Selbsthilfe
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008Korschenbroich (RPO). Der Sport hat ein Problem: Unternehmen wollen zwar mehr Geld für den Sport geben, Vereine wissen aber nicht, wie sie daran kommen sollen. Der Rhein-Kreis Neuss hilft jetzt mit Info-Veranstaltungen und einer Sponsorenbörse.
Wirtschaft pro Sport
Sportvereine 32 stadtweit, im Rhein-Kreis Neuss etwa 400.
Sponsoringbörse Geplanter Termin ist der 25. September, Skihalle Neuss. Die Veranstaltung ist als Messe vorgesehen, auf der Vereine und Unternehmen sich an Ständen professionell präsentieren.
Beratung Dazu bietet der Kreis den Vereinen Erstberatung gegen einen Pauschalbetrag.
Korschenbroich/Jüchen Mit der Initiative „Wirtschaft pro Sport“ will der Rhein-Kreis Neuss Sportvereinen helfen, Sponsoren zu finden. „Der Sponsoringmarkt boomt wie selten“, sagt Dirk Schröter von der „ds Sportmarketing“, die die Kampagne unterstützt. Bundesweit steige die Summe aus Sponsoring-Geldern in den kommenden zwei Jahren um etwa 200 Millionen Euro.
Nur haben die Vereine im Kreis bis auf wenige Ausnahmen nichts davon. Firmen wollen zwar Geld geben, aber die Vereine haben wenig Ahnung, wie sie Sponsoren finden sollen. „Bei uns funktioniert das nur über persönliche Kontakte, Vitamin B“, sagte Christoph Sommer, Vorsitzender des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler. Und Herbert Rukes von der DLRG Korschenbroich weiß: „Einfach anrufen oder ein Briefchen schreiben bringt nichts.“
Nur sechs Schwimmer zur WM
Spitzensport wird jedoch immer teurer: Der TV Korschenbroich konnte in der vergangenen Saison nur dank seiner Sponsoren den 400 000-Euro-Etat für die Zweite Handball-Bundesliga aufbringen. Dazu war jedoch ein immenser Aufwand notwendig: Eine Marketing-Agentur half und es gründete sich ein Wirtschaftsrat, der Kontakte vermittelte.
Die DLRG Korschenbroich etwa bekam für die Weltmeisterschaft die 15 000 Euro für die 14 Schwimmer zwar zusammen. Doch zur WM 2002 in Neuseeland konnten nur sechs Schwimmer fahren, weil das Geld nicht für den gesamten Kader reichte. Zuletzt verkündeten die Schwimmer Christian und Stephan Mroczek vom TV Korschenbroich trotz herausragender Qualifikation ihren Verzicht auf die WM in Südafrika im November – weil die Teilnahme nicht bezahlbar ist.
Selbst Fußballvereine wie der VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler könnten in der Bezirksliga ohne Sponsoren nicht mitspielen. Viktoria wird von etwa 40 größeren und kleineren Geldgebern unterstützt – das reicht für die viertniedrigste Spielklasse.
Der Rhein-Kreis Neuss unterstützt die 400 Sportvereine jährlich mit etwa 500 000 Euro – mehr geht nicht. Daher greift er mit der Kampagne „Wirtschaft pro Sport“ nun zu dieser Lösung: Hilfe zur Selbsthilfe. Und die soll so aussehen: Vereine bekommen von Profis wie Dirk Schröter das nötige Handwerkszeug, sich für Sponsoren hübsch zu machen. Dazu gibt es eine neue Sponsoring-Checkliste.
Gleichzeitig hat der Kreissportbund 4000 Unternehmen in der Region angeschrieben. Bis jetzt meldeten sich etwa 300 von ihnen als potentielle Sponsoren. Im September ist eine Sponsoringbörse geplant, wo diese Unternehmen und Vereine aufeinandertreffen sollen. Der Ort – die Skihalle Neuss – ist nicht zufällig gewählt: Sie ist Hauptsponsor des TV Korschenbroich.
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