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Korschenbroich: Strom und Wärme aus Bioabfall?

VON SABINE WOTZLAW - zuletzt aktualisiert: 11.03.2010

Korschenbroich (RPO). Ob es sinnvoll ist, die Korschenbroicher Kompostieranlage um eine Vergärung zu erweitern, das prüft die Kreisverwaltung derzeit. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnte schon ab Ende 2011 ein Blockheizkraftwerk aus 50 000 Tonnen Biomüll Wärme und Strom erzeugen.

Derzeit wird geprüft, ob die Korschenbroicher Kompostieranlage um eine Vergärungsanlage erweitert werden soll.   Foto: RPO
Derzeit wird geprüft, ob die Korschenbroicher Kompostieranlage um eine Vergärungsanlage erweitert werden soll. Foto: RPO

Vergärungsanlagen, die aus Bio- und Grünabfällen Strom- und Wärme erzeugen: In Mülheim, Lindlar, Münster, Herten und Lemgo sind sie bereits in Betrieb. Jetzt will die Kreisverwaltung prüfen, ob es Sinn macht, die Korschenbroicher Kompostieranlage um eine Vergärungsanlage zu erweitern. Der Planungs- und Umweltausschuss des Rhein-Kreises Neuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit den Realisierungsmöglichkeiten einer "Vergärungsanlage als Vorschaltanlage zur bestehenden Kompostieranlage" in Korschenbroich beschäftigt.

50 000 Tonnen Biomüll

Grund war ein Antrag der CDU-Kreistagsfraktion. Dort heisst es: "Aufgrund der im Kreis vorhandenen Infrastruktur mit einer auf dem neusten Stand der Technik arbeitenden Kompostieranlage erscheint es sinnvoll zu prüfen, ob die bestehende Kompostieranlage um eine Vergärungsanlage ergänzt werden kann."

Info

Vergärung

Vergärungsanlagen werden für die Vergärung von Bioabfällen und Speiseresten eingesetzt.

Wo Anlagen gibt es Mülheim, Lindlar, Münster, Herten und Lemgo.

Was Die Vergärung ist ein Behandlungsverfahren für biologische Abfälle unter Sauerstoffabschluss

"Wir prüfen derzeit, ob eine solche Anlage für Korschenbroich grundsätzlich Sinn macht. Entscheidend für uns ist, dass das Ganze wirtschaftlich ist", sagt Kreisumweltdezernent Karsten Mankowski. Technisch könnte die Anlage für die Vergärung umgebaut werden. Billig würde die Investition sicher nicht werden: "Die Investitionskosten werden sich voraussichtlich zwischen eins und neun Millionen Euro bewegen", sagt Mankowski.

Rund 50 000 Tonnen Biomüll werden jährlich im Kompostwerk des Rhein-Kreises Neuss in Korschenbroich zu hochwertigem Kompost verarbeitet.

Bis zum nächsten Umweltausschuss im Juli sollten die grundsätzlichen Überlegungen abgeschlossen sein. "Im nächsten Schritt muss dann die Wirtschaftlichkeit geprüft werden", berichtet Mankowski. Bisherige Gespräche mit einem Anlagenbetreiber in Lindlar hätten noch kein einheitliches Bild zur Frage der Wirtschaftlichkeit liefern können. Doch sicher sei: "Wenn die Anlage nur zur Stromgewinnung genutzt werden kann, ist das unwirtschaftlich." Eine Stromgewinnung mittels Blockheizkraftwerk am Standort Korschenbroich mache nur Sinn, wenn auch die durch das Heizkraftwerk abgegebene Wärme abgegeben und sinnvoll eingesetzt werden könne. Auch die Nutzungsoption für Biogas müsse geprüft werden. "Die Möglichkeit einer Wärmenutzung schätzen wir bezogen auf Korschenbroich eher gering ein", so Mankowski.

Der grüne Kreistagsabgeordnete Hans Christian Markert sieht sehr wohl Möglichkeiten, die anfallende Wärme zumindest teilweise direkt vor Ort zu nutzen. "Bisher gibt es weder eine Potentialstudie noch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Rhein-Kreis Neuss", so Markert. Aus anderen Regionen lägen Zahlen vor, die den wirtschaftlichen Betrieb der Vergärungstechnik belegten. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Grünabfalldeponie in Aachen-Würselen etwa komme zu dem Ergebnis, das sich pro Tonne Grünabfall drei Euro einsparen ließen. In Lindlar schreibe man auch ohne Wärmenutzung eine schwarze null. Sollten die Rahmenbedingungen stimmen und der Vergärungsanlage zugestimmt werden, könnte die Anlage Ende 2011 in Betrieb gehen.

Quelle: RP

 
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